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Interview

Jean Michel Jarre und die Kunst des Künstlichen

07.01.2010 | 17:54 Uhr
Jean Michel Jarre und die Kunst des Künstlichen

Seine Klangvisionen waren wegbereitend für die elektronische Musik, im Lauf seiner Karriere verkaufte der französische Synthie-Pionier (Oxygene") 80 Millionen Tonträger. Olaf Neumann traf den 61-jährigen Jean Michel Jarre in Berlin und sprach mit ihm u.a. über seine erste Welttournee.

Ihre Tournee ist „2010” betitelt. So heißt auch ein Science-Fiction-Roman Ihres Freundes Arthur C. Clarke. Zufall?

Jarre: Ich habe die Tournee sicher nicht nur so überschrieben, weil sie in diesem Jahr stattfindet. Arthur C. Clarke war einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren – ich war überrascht, als ich meinen Namen im Anhang seines Romans „2010” fand. Clarke hatte beim Schreiben tatsächlich meine Musik gehört.

Hat er Sie auch mit Stanley Kubrick, dem Regisseur von „2001”, bekannt gemacht?

Jarre: Tatsächlich wäre es beinahe zu einer Zusammenarbeit zwischen Kubrick und mir gekommen. In der Regel griff er für seine Filme auf bereits vorhandene Musik zurück. Doch für seinen Horrorthriller „Shining” wollte er ausnahmsweise mit einem lebenden Komponisten zusammenarbeiten. Am Ende entschied Kubrick sich doch für Penderecki. Ich glaube, es war richtig (lacht).

Warum gehen Sie erst jetzt erstmals auf Welttournee?

Jarre: Die Hallen sind inzwischen technisch gut genug, um die Magie eines Open-Air-Konzerts in einen vor Wind und Wetter geschützten Raum zu holen. In den 70er und 80er Jahren war es noch nicht möglich, meine cinematischen Visionen in den Arenen umzusetzen. Deshalb konnte ich lange Zeit nur Einzel-Events realisieren.

Heutzutage gibt es kein Stadion- bzw. Hallenkonzert mehr ohne Leinwände neben der Bühne...

Info
Jean-Michel Jarre „2010”

6.3. Oberhausen (KöPi-Arena; einziger Auftritt in NRW).

Karten von 49,50-72,50 € gibt es in unseren TICKET-SHOPs unter 01805/280123 sowie www.DerWesten.de/tickets

Jarre: Mich persönlich frustriert es, bei einem Konzert auf der Leinwand immer nur Nah-aufnahmen der Künstler zu sehen. Meine Performance hingegen erinnert an einen Film. Ich benutze innovative 3D-Techniken und es werden wieder Laser zum Einsatz kommen. Was auf der Bühne stattfindet, ist eine visuelle Übersetzung meiner Musik. Es hat mehr mit einer modernen Oper als mit einem Rockkonzert zu tun.

Am 5. April 1986 spielten Sie anlässlich einer NASA-Feier ein Konzert vor insgesamt 1,3 Millionen Zuhörern – wann ist eine Show aus Ihrer Sicht erfolgreich?

Jarre: Ein erfolgreiches Konzert muss zusammen mit dem Publikum funktionieren. Ob es zu einer Liebesgeschichte zwischen den Zuschauern und dem Künstler kommt, hängt stark davon ab, was auf der Bühne passiert. Natürlich ist es wichtig, ob ein Konzert ausverkauft ist oder nicht. Aber mir persönlich liegt das Künstlerische mehr am Herzen.

Wie viel von Ihrer Musik entsteht wirklich live während eines Konzertes?

Jarre: Ich möchte die Live-Performance in die elektronische Musik zurückbringen. Zu viert bedienen wir 70 elektronische Instrumente aus den 20er bis 70er Jahren – aber auch völlig neue digitale Prototypen.

Viele Leute denken bei Ihrer Musik an den Weltraum, inzwischen sind Privatflüge ins All möglich. Hätten Sie Lust?

Jarre: Als ich damals das Konzert für die NASA vorbereitete, war geplant, dass einer der Challenger-Astronauten im All eines meiner Stücke auf dem Saxofon spielt. Wie Sie wissen, explodierte die Challenger tragischerweise kurz nach dem Start. Mein Name stand auf der Liste der ersten Privatpersonen im All. Die NASA stellte jedoch ihr gesamtes Programm vorübergehend ein. Aber ich träume immer noch von einem Konzert dort oben.

Olaf Neumann

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