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James Cook hat Land in Sicht!

02.09.2009 | 07:52 Uhr
James Cook hat Land in Sicht!

Bonn. Fragt sich bloß, welches Land: James Cook (1728-1778) entdeckte mehr als jeder andere in der Südsee - und glaubte doch, nichts gefunden zu haben. Eine neue Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland widmet sich James Cooks "Entdeckung der Südsee".

Federbildnis des Kriegsgottes Kuka'ilimoku, Hawai'i, 18. Jh., © Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen

Dies ist die Geschichte eines Mannes, den seine Leute liebten, trotz der 20.000 Pfund Sauerkraut an Bord. Eines Mannes, der unfähig war zu entdecken, was er entdecken sollte, weil es den Südkontinent nicht gab. Eines Mannes, dessen Größe aus kleinsten Verhältnissen erwuchs. Nun widmet die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland dieser Geschichte eine üppige Schau. Ihr Titel: „James Cook und die Entdeckung der Südsee”. Entdeckung, das konnte vor 250 Jahren ja vieles bedeuten. Eroberung, Ausbeutung, religiöser Würgegriff. Hier war es aber einen Hauch ehrenwerter; es war Wissenschaft.

Als Londons Akademie der Wissenschaften James Cook in Königs Namen auf Reisen schickte, da war das 1768 ein gezielter Schuss ins Blaue. Es saßen ja in London unentwegt rechnende Theoretiker, deren Schlussfolgern keinen andern Schluss zuließ als den: Es muss den gewaltigen Südkontinent geben. Wir haben ihn nur noch nicht gefunden.

Es hieß dies die terra australis incognita. Und James Cook, Sohn eines schottischen Tagelöhners, Mann von schütterer Orthographie, aber unerschütterlicher Persönlichkeit, Seemann, der mit General Wolfes erfolgreich den Franzosen eins draufgab und Québec für England an Land zog, dieser James Cook war ihr Mann.

Entbehrung und Exotik, Tod und Sinnlichkeit

Info
Strenges Regiment

James Cook wurde 1728 in Marton geboren. 1779 starb er während seiner dritten großen Expedition auf Hawaii. Dank seiner Reisen erfuhr ein Großteil der Seefahrer-Karten ungekannte Präzision. Cooks Regiment war streng. Damals nicht unüblich, folgten auf Gotteslästerung oder schlechte Manieren die Peitsche. Das viele Sauerkraut führte Cook als Mittel gegen Skorbut mit. Um es attraktiv zu machen, gab er zunächst nur Offizieren davon zu essen.

Dreimal ging Cook auf große Fahrt, mit Schiffen, deren Namen bis heute ihren Zauber nicht verloren haben, „Endeavour”, „Resolution”, „Adventure”. Drei Mal bedeutete die Suche nach dem Fremden Licht und Schatten, Entbehrung und Exotik, Tod und Sinnlichkeit. Cook und die Seinen sahen als erste Europäer ein Känguru. Sie zeichneten und schrieben (an Bord unter anderem die Deutschen Vater und Sohn Forster) alles auf, was sie an bis dahin nie gesehenen Wilden und Tieren, an Früchten und Werkzeug vorfanden. Sie erlebten in Tahiti eine in der englischen Heimat eher unübliche sexuelle Großzügigkeit („Die Frauen versichern sich unserer Freundschaft, in einer Art und Weise, die alles andere als platonisch ist“). Sie haben also vielmals („Polynesien” heißt „viele Inseln”) das Paradies gesehen – und zugleich immer den Abgrund. Einige von Cooks Männern werden von Wilden gegessen, mal schüttelt die Schiffe eine Kakerlakeninvasion, Weihnachten säuft man sich in die Bewusstlosigkeit und nicht nur Weihnachten.

Einmal geht es Cook so todesnah schlecht, dass Johann Reinold Forster seinen letzten tahitianischen Hund opfert, damit der Kapitän durch dessen Fleisch zu Kräften komme. Den Südkontinent, den man sich von London erträumt hatte, man fand ihn trotz Hunderagout nicht. Ein mürrischer Geograf attackierte Cook, er habe einfach nicht gründlich gesucht. „Ich habe keine großen Entdeckungen gemacht”, wird Cook notieren – Cook, der als erster Mensch den südlichen Polarkreis überquerte, die Antarktis umrundete und in gut neun Jahren mehr unbekanntes Land fand als alle, die es vorher versucht hatten.

"Ich habe keine großen Entdeckungen gemacht"

Sydney Parkinson: Porträt eines Maori, Neuseeland, um 1769, © The British Library, London

Die Bonner Schau, die im Anschluss ins Wiener Völkerkundemuseum zieht und nach Bern, führt mit über 500 Exponaten zusammen, was lange über die Welt verstreut war und in der Südsee kaum mehr zu finden ist. Kostbare Zeremonialstäbe von den Osterinseln, Brustschmuck aus Hawaii, lauter originales Reisegerät Cooks, Aufzeichnungen, Taschengloben, Galanteriedegen, Bordbibel. Doch hat man nicht gerade ein Ethno-Faible, ist die Geschichte eines reisenden Aufklärers, der sich wohl klar darüber war, wie schnell seine Mission, die Toleranz und Wissbegier nährten, umschlagen würde in Übergriff, Plünderung, Okkupation, weit spannender als dieses Heer der Fächer, Federn, Bumeränge. Obschon die räumliche Ästhetik der Schau uns Schritt für Schritt das Enorme der Passagen veranschaulicht.

Cooks Ende? Er landete eines Sturmes wegen ein zweites Mal in Hawaii. Beim ersten Mal hatten sie ihn gefeiert wie einen Gott (weil sie ihn für einen Gott hielten). Beim zweiten Mal fiel der Irrtum auf. Man schlug sich. Cook, Entdecker so vieler Kulturen, starb an einem kulturellen Missverständnis. Auf einer Tafel in der Bucht von Kealakekua entschuldigen sich die Hawaiianer bis heute dafür.

Die Ausstellung läuft bis 28. Februar 2010. Eintritt: acht, ermäßigt fünf Euro.

Lars von der Gönna

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