Intelligente Spannung mit psychologischer Tiefe

Hagen..  Die renommierte britische Tageszeitung „The Independent“ schrieb einmal: „Im skandinavischen Kriminalroman ist Jo Nesbo das Maß aller Dinge.“ Tatsächlich hat der norwegische Bestsellerautor mit der Serien-Figur seines Kommissars Harry Hole weltweite Erfolge gefeiert.

Der neue Roman „Der Sohn“ macht die Leser nun mit einem anderen, gleichwohl nicht weniger interessanten und sympathischen Fahnder vertraut: Simon Kefas ist ein älterer, erfahrener Polizist, der in mehrfacher Weise vom Leben gezeichnet wurde. Jetzt soll er einen entflohenen Sträfling stellen, der nach einem bestimmten Muster mehrere Morde begeht. Schnell wird klar, dass es sich um einen regelrechten Rachefeldzug handelt. Die Suche wird allerdings erschwert, weil es im Bereich der Staatsanwaltschaft und der Polizei mutmaßlich schon seit vielen Jahren einen Maulwurf gibt.

Für seinen neuen Kriminalroman, der über 500 Seiten dick geworden ist, hat Jo Nesbo selbst mehrere Tage in einem Männerwohnheim gelebt, um das Denken und Verhalten jener Menschen besser einschätzen zu können, die am Rande der Gesellschaft leben: „Die Realität hat die Phantasie wieder einmal übertroffen“, fasst der Autor dazu seine Erfahrungen zusammen.

„Der Sohn“ ist alles andere als ein eindimensionales Handlungsspiel. Der Leser wird vielmehr in ein vielschichtiges Interessens- und Abhängigkeitsgeflecht geführt, das nach und nach in eine gewisse Aussichtslosigkeit für viele Beteiligten mündet. Schuld und Sühne, Liebe und Erlösung sind die Antriebsfedern in den jeweiligen Entscheidungsprozessen. Der Roman ist überaus spannend inszeniert, zugleich aber auch ein raffiniertes Psychogramm. „Ich habe eine Schwäche für Figuren mit Schwächen“, sagt Jo Nesbo. Und genau das macht ihn so lesenswert.

Jo Nesbo:

Der Sohn

Ullstein Verlag

522 S., 22,90 Euro