Inseln der Liebe – und im Sturm

Dortmund..  Stärker können Gegensätze eigentlich kaum sein. Da gewinnt die bosnische Regisseurin Jasmila Zbanic 2006 den Goldenen Bären der Berlinale für ihren bewegenden Film „Esmas Geheimnis“, in dem sie vom Nachkriegsleben leidgeprüfter Familien in Sarajevo erzählt. Und nun greift sie für die Komödie „Love Island“ plötzlich tief in den Farbtopf und überrascht mit einer schrägen Urlaubskomödie an der kroatischen Adriaküste. Zu sehen ist diese ironisch gefärbte Bollywood-Anleihe im Wettbewerb des sechstägigen Internationalen Frauenfilmfestivals (IFFF), das heute in Dortmund beginnt.

Das Festivalprogramm unter dem Motto „Komfort“ ist üppig wie immer. Aber wie bereits in den letzten Jahren richtet sich das Augenmerk dabei sehr stark auf den Wettbewerb, bei dem jeweils acht große Kinofilme renommierter Regisseurinnen gegeneinander antreten. Das von RWE gesponserte Preisgeld ist im Zeichen der Sparzwänge zwar deutlich weniger geworden (statt 25 000 Euro nun 15 000), an der hohen Qualität der Filme, vier davon als Deutschlandpremieren, ändert das jedoch gar nichts. Augenzwinkerndes Unterhaltungskino wie „Love Island“ (18. April, 21 Uhr) ist in diesem Umfeld allerdings eine Überraschung: Hier werden fröhlich die Bäumchen gewechselt, bricht gleichgeschlechtliche Leidenschaft wieder auf, gibt es auf offener Bühne eine Geburt als finales Crescendo. Und ab und an gleitet auch noch Franco Nero als greiser Gigolo durchs Bild.

Dass das Kino der Frauen durchaus auch schwarzen Humor aufweisen kann, beweist die Polin Malgorzata Szumoska mit „Body“ (17. April, 21 Uhr), in dem Körper eine besondere Rolle spielen, in dem aber auch von der Schwierigkeit erzählt wird, Verluste zu verarbeiten. Im Zentrum steht ein verwitweter Untersuchungsrichter, der viel zu viel zwischen Tatorten lebt und der deshalb auch immer mehr die Kontrolle über die Magersucht seiner Tochter zu verlieren droht. Szumoska, die mit „Body“ dieses Jahr den silbernen Regie-Bären in Berlin gewann und die bereits vor zwei Jahren den Dortmunder Filmpreis mit „In the Name of“ errang, lockert den Ernst der Dinge immer wieder mit skurrilen Einfällen auf. Mal wird ein vermeintlicher Selbstmörder vom Strick abgeschnitten, erweist sich danach aber als noch sehr lebendig, mal muss der Inhalt freigespülter Särge auf dem Friedhof neu identifiziert werden. Am Ende aber steht ein hoffnungsvolles Lächeln.

Die Themen der Wettbewerbsfilme sind weit verzweigt. „Eden“ (15. April, 20.15 Uhr) von Mia Hansen Love beispielweise ist ein ekstatisches Generationsporträt, taucht ein in die Elektro-Musikszene im pulsierenden Paris der frühen 90er. In die Zeit der grünen Revolution im Iran 2009 führt „Red Rose“ (17. April, 18 Uhr) von Sepideh Farsi, ein fesselndes Kammerspiel über politische Haltungen und Generationenkonflikte. „Still the Water“ von Naomi Kawase entführt uns auf eine japanische Insel und wartet mit derart archaischen Bildern vom Meer, vom Sturm und von der Natur auf, dass man fast erschrickt, wenn da plötzlich ein normales Auto ins Bild kommt.

Ein einsames Begräbnis

In höchstem Maße berührend schließlich ist „Ella“ (16. April, 21 Uhr) von Libia Stella Gomez aus Kolumbien: In prächtigem Schwarzweiß sieht man da einen alten Mann, der seiner verstorbenen Frau ein würdiges Begräbnis bereiten will. Und weil ihm keiner helfen will, vor allem nicht die Kirche, zieht er den Karren mit der Toten sehr lange durch die Straßen von Ciudad Bolivar.

Alle Filme des Wettbewerbs laufen in der Dortmunder Schauburg. Informationen über das Gesamtprogramm und weitere Spielstätten: www.frauenfilmfestival.eu