Inder in Wien, Versöhnungsmusiker in Berlin

Wien/Berlin..  Nach dem Neujahrskonzert ist vor dem Neujahrskonzert. Der Taktstock von Maestro Zubin Mehta im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins war noch nicht abgelegt, da wusste man an der Donau schon, wer das „2016er“ leiten wird. Wiens Philharmoniker werden dann ein drittes Mal Mariss Jansons zum berühmtesten Konzert der Welt ans Dirigentenpult bitten.

Jansons (71) gilt als einer der bedeutendsten Dirigenten seiner Generation, uneitle Art und Meisterschaft in der Sache vereint er wie wenige. Freilich lädt das Orchester mit ihm auch einen Musiker, der aus gesundheitlichen Gründen immer wieder hatte aussetzen müssen. Jansons ist herzkrank, erlitt 1996 während einer „Bohème“ einen Herzinfarkt.

Mehtas Konzert verfolgten 50 Millionen Menschen in über 90 Ländern. Jährlich wächst die Zahl. Erstmals empfingen die Bahamas Radetzkymarsch & Co.

Wer nun das beste Orchester der Welt ist, darüber wird man zur Jahreswende nicht richten. Abends vorher jedenfalls gaben sich Berlins Philharmoniker im Silvesterkonzert die Ehre. Star war weder Orchesterchef Simon Rattle noch (im Publikum) Bundeskanzlerin Merkel. Bejubelt wurde vor allem der deutsch-amerikanische Pianist Menahem Pressler. 91 Jahre alt und durch das Beaux Arts Trios eine Legende spielte er Mozarts Klavierkonzert A-Dur. Es gab stehende Ovationen für den bekennenden Versöhnungsmusiker, dessen Wiege in Magdeburg stand. Presslers Großeltern wurden Opfer des Holocaust.