Im Osten wird in den Theatern mehr gezittert

Köln..  Der Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, sieht auch 25 Jahre nach dem Mauerfall ein West-Ost-Gefälle in der finanziellen Ausstattung der Theater und Orchester. „Wir haben sicherlich in den neuen Bundesländern noch eine angespanntere Situation als in den alten“, sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Das hat damit zu tun, dass es dort nach wie vor personell gut ausgestattete Theater und Orchester in überschaubaren oder sogar kleinen Standorten gibt.“

Für viele dieser Kulturbetriebe im Osten der Republik habe der Bühnenverein Haustarifverträge mit Gehaltsverzicht abschließen müssen, um Arbeitsplätze überhaupt zu finanzieren. „Das gibt es in dieser Weise in den alten Bundesländern nicht.“

Zwar gebe es auch im Westen an einzelnen Standorten Probleme, sagte Bolwin und nannte Trier als Beispiel, aber auch die Diskussion um die Zusammenlegung der Bonner mit der Kölner Oper. „Unterm Strich muss man aber sagen, dass es uns gelungen ist, in der Zeit nach der Wiedervereinigung die Theater und Orchester weitgehend in ihrem Bestand zu sichern und zu erhalten.“

Bolwin glaubt, dass das auch in Zukunft so bleiben wird. „Dort, wo Fusionen möglich waren, sind sie vor allem in den neuen Bundesländern gemacht worden“, sagte er. „Der Bedarf einer Fusion stellt sich ja erst, wenn die Nachfrage für einzelne Theater nicht mehr ausreicht. Das ist vor allem in den alten Bundesländern nicht der Fall. Wir rechnen zunächst nicht damit, dass weitere Fusionen nötig sind.“

In der Saison 2012/13 gab es an Theatern in Deutschland rund 85 000 Aufführungen von etwa 7500 Inszenierungen. Fast 850 davon waren Ur- oder deutsche Erstaufführungen. Die öffentlichen Häuser hatten nach Angaben Bolwins insgesamt rund 2,2 Milliarden Euro aus der öffentlichen Hand zur Verfügung.