„Im Namen meiner Tochter“ ist ein fesselndes Justizdrama

Glücksgriff bei der Besetzung: Daniel Auteuil (Mitte).
Glücksgriff bei der Besetzung: Daniel Auteuil (Mitte).
Foto: LGM CINEMA / Guy Ferrandis
Was wir bereits wissen
Neu im Kino: Der Film „Im Namen meiner Tochter - Der Fall Kalinka“ von Regisseur Vincent Garenq zeigt eine verzweifelte Suche nach Gerechtigkeit.

Essen.. Es war ein Justizdrama von Jahrzehntelanger Dauer, eine verzweifelte Suche nach Gerechtigkeit. Mehr als 30 Jahre kämpfte der französische Buchhalter André Bamberski darum, den Mörder seiner 14-jährigen Tochter Kalinka endlich hinter Gitter zu bringen.

Andere wären vermutlich zerbrochen an nur halbherzig geführten Ermittlungen, an einem ungenauen Obduktionsbefund und dem ständigen Hin und Her zwischen Frankreich und Deutschland, wo man sich beharrlich weigert, den in Frankreich inzwischen als überführt geltenden Täter auszuliefern.

Regisseur Vincent Garenq, der sich dieses realen Stoffes nun fürs Kino angenommen hat, kann Referenzen vorweisen: „Im Namen meiner Tochter“ ist nach dem Erfolg von „Guilty“ (2011) bereits seine zweite Beschäftigung mit dem Fehlverhalten der Justiz.

Geschehnisse beginnen im Jahr 1982

Die Geschehnisse, die auch in Deutschland immer wieder für Schlagzeilen sorgten, beginnen im Jahr 1982, als die beiden Kinder des geschiedenen Bamberski sich bei der Mutter (gespielt von Marie-Josée Croze) und deren neuem Ehemann, dem deutschen Arzt Dieter Krombach (Sebastian Koch), aufhalten.

Kalinka wird dort morgens tot in ihrem Bett aufgefunden, die Ursache bleibt zunächst ungeklärt, die Hinweise im Obduktionsbericht auf einen möglichen sexuellen Hintergrund werden nicht weiter beachtet. Angesichts zahlreicher Indizien weicht die Trauer beim Vater sehr schnell der Überzeugung, dass Krombach seine Tochter zunächst missbraucht und danach zu Tode gespritzt hat.

Ein dramaturgisches Wagnis

Es ist schon ein dramaturgisches Wagnis, eine derart lang sich hinziehende Geschichte in knappen 90 Minuten erzählen zu wollen. Und tatsächlich bleibt der Zuschauer hin und wieder auf der Strecke, wenn es um juristische Spitzfindigkeiten geht, verliert er sich auf dem langen Zeitstrahl, der hier abgelaufen werden muss.

Es ist ein Glück, dass Garenq mit Daniel Auteuil ein Schauspieler zur Verfügung stand, der diesen Bamberski über die Jahrzehnte hinweg geradezu hautnah verinnerlicht hat, mit all seinen kleinen Triumphen und all seinen großen Niederlagen.

Ohne jedes Schuldverständnis

Da das Buch der Hauptfigur hier als Grundlage diente, ist der Fokus der Inszenierung von vornherein klar. Dabei würde man gern mehr über die so seltsam abweisend reagierende Mutter erfahren. Und noch mehr über den Täter, den Sebastian Koch immerhin als einen Menschen ohne jedes Schuldbewusstsein skizzieren kann, der auch angesichts des Aufmarsches seiner anderen Opfer nie die Contenance verliert.