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Kultur

Im Land der bunten Träume

20.06.2007 | 08:48 Uhr

Als Robert van Ackeren 1980 "Deutschland privat" ins Kino brachte, gab es heiße Diskussionen.Nun läuft seine zweite Zusammenstellung von dem, was Amateurfilmer so alles für kameratauglich halten

Heute filmen die Leute ihren Alltag mit dem Handy. Davor gab es die Videokamera. Und davor war die Zeit des Super-8-Films. Das waren Filmkassetten mit einer Spielzeit von bis zu drei Minuten, die mit einer Filmkamera betrieben wurden. "Nahezu jeder dritte Haushalt verfügte ab den 60er Jahren über eine solche Filmausrüstung", weiß Robert van Ackeren.

Der Filmautor ("Die flambierte Frau", "Die Venusfalle") hat über viele Jahre hinweg diese Amateurfilme gesammelt, archiviert und katalogisiert. 1980 brachte er mit "Deutschland privat" eine Zusammenstellung von Privatfilmen fürs Kino heraus, die damals heftig diskutiert wurden.

Das dürfte bei seiner jetzt vorliegenden zweiten Zusammenstellung "Deutschland privat - im Land der bunten Träume" nicht anders sein. Denn neben alltäglichen Filmszenen und rührend verspielten Regieversuchen (ein Katastrophenfilm etwa mit Spielzeug und Zigaretten) widmet er sich ausgiebig den Spiearten der Erotik. Skandale um ihrer selbst willen sind dabei aber nicht gewollt. Van Ackeren: "Diese Bereiche um Sex und Erotik habe ich in meinen Spielfilmen mit der gleichen Selbstverständlichkeit behandelt wie etwa eine Szene am Esstisch. Aber ein Beischlaf kann für die Charakterisierung einer Figur eben beispielhafter sein als ein Frühstück." Den weniger kenntnisreichen Betrachter versetzt es dann aber doch in Erstaunen, was die Leute früher so alles gefilmt haben und wem sie das wohl vorgeführt haben könnten. Noch mehr erstaunt es, dass diese bis ins Schlafzimmer reichenden Privatfilme letztlich an einen fremden Sammler freigegeben wurden.

Als schillernde Zeitgeistrevue hat das in Teilen beträchtlichen Unterhaltungswert. Natürlich divergieren die Filme in Länge sowie formalem und geistigem Gehalt. Und einige erotische Beiträge sind sicher nichts für zarte Gemüter. Trotz eines ordnenden Konzepts bleibt der Eindruck einer gewissen Beliebigkeit. Außerdem kann der Verdacht einer ausbeuterischen Denkweise nicht entkräftet werden, was van Ackeren ganz anders sieht: "Aber das hier hat etwas Authentisches, schon weil hier absolut alles im Bild festgehalten ist. Hier findet ein ganz persönlicher Ausdruck zu einer Filmform. Und das bestätigt meine Ansicht, dass diese Filme etwas darstellen, was in anderen Filmformen so nicht stattfinden kann. Weil es Selbstzeugnisse der Filmemacher sind." Es sind auch Zeugnisse eines ausgestorbenen Kulturguts, das abgelöst worden ist durch Handy-Kameras und Internetplattformen. Robert van Ackeren hat die alten Schätze der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er hat sich auch Mühe gegeben, dass die Träume aus dem privaten Deutschland ganz besonders bunt ausgefallen sind.

Von Uwe Mies

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