Im Labyrinth endloser Hotel-Flure

Hagen..  Mit seinem Debütroman „Die nachhaltige Pflege der Holzböden“ sorgte der Brite Will Wiles vor zwei Jahren international für Furore. Nun liegt sein zweiter Roman vor: „Kein Leben ohne Minibar“ - und abermals überrascht und begeistert Wiles mit britisch-skurrilem Humor auf der Basis einer regelrecht irrwitzigen Geschichte.

War es beim ersten Mal noch ein kleines, privates Appartment, dessen wertvoller Fußboden nach und nach ein Opfer widrigster Umstände wurde, so öffnet sich nun der Blick in die schier endlose Weite einer Hotelkette. Darin verirrt sich ein mehr und mehr verunsicherter Profi-Messebesucher namens Neil Double. Er ist im Grunde genommen ein Sonderling und ein Besessener gleichermaßen: In der Anonymität von Hotels fühlt er sich wohl und stark, außerhalb wird er dagegen zum Spielball unheimlicher, fremdbestimmender Mächte.

Will Wiles gelingt es hervorragend, die mannigfachen Besonder- und Eigenheiten von Hotelsituationen genau zu analysieren. Die Architektur der Häuser, ihr Mobiliar, ihre Mitarbeiter und nicht zuletzt eben auch ihre Gäste verbinden sich zu einer schier unwirklichen Kunstwelt.

Stellvertreterkrieg

In dieser Gemengelage führt der Unglücksrabe Neil Double eine Art Stellvertreterkrieg für uns alle, die wir jemals Hotelgäste waren oder wieder werden. Das Hotel wird hier förmlich zu einer Lebens- und Überlebensmetapher, und Will Wiles komponiert daraus eine groteske Handlung, die irgendwo zwischen Franz Kafka, Eugene Ionesco und Edgar Allan Poe angesiedelt zu sein scheint.

Die Lektüre des Romans „Kein Leben ohne Minibar“ überzeugt aber nicht nur durch die überaus phantasievolle Alptraum-Dramaturgie. Sie lässt den Leser immer wieder auch innehalten und eigenes Erleben reflektieren. Wie viel Neil Double-Erfahrung steckt eigentlich auch in mir?, könnte dabei eine Frage sein, und diese allzu leichtfertig wegzuschieben, kann sich schon bei der nächsten Buchseite als tragischer Fehler erweisen. Die in diesem Buch notierten Hotel-Erlebnisse entbehren natürlich jeder Wahrhaftigkeit, und doch schärfen sie unsere Aufmerksamkeit. Und die Minibar, das sei an dieser Stelle schon verraten, spielt dabei lediglich eine völlig untergeordnete Rolle.

Will Wiles:

Kein Leben ohne Minibar.

carl’s books Verlag

320 S., 14,99 Euro