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Podiumsdiskussion

Ideologie und Krise

10.02.2016 | 17:02 Uhr
Ideologie und Krise
Am Dienstag, 9. Februar 2016, diskutieren auf dem Podium Christian Rabhansl, Deutschlandradio Kultur, AutorinFoto: Dirk Bauer

Essen.   Das Thema lockt die Rechten hervor, aber es verdient eine würdige Diskussion. Dienstag diskutierte man im Essener Grillo-Theater über das Thema Einwanderung.

Die Geschichte der Einwanderung in Deutschland ist eine Geschichte der Abwehr. „Migration ist gefährlich“, lautete stets der Tenor des gesellschaftlichen Begleitgesangs – auch, wenn die Integration so gelungen ist wie die der polnischen und ostdeutschen Einwanderer im Ruhrgebiet des 20. Jahrhunderts. Dies weiß, mit dem Weitblick des Wissenschaftlers, kaum jemand so gut wie Jochen Oltmer, Professor für Geschichte und Migrationsforscher an der Universität Osnabrück.

Die Sätze, mit denen selbst eingefleischte Rassisten und Neonazis ihre Vorbehalte ausdrücken, passen aber allemal auf ein DIN-A-5-Blatt, „dann ist Stille. Und dann kann man anfangen zu reden.“ Kaum jemand weiß dies so gut wie die Moderatorin Mo Asumang, weil sie bewusst die Konfrontation mit dem rechten Rand der Gesellschaft gesucht hat, nachdem sie von einem Neonazi-Lied hörte, in dem ihr der Tod angedroht wurde. Neben Mitläufern gibt es aber führende Neonazis wie den US-Rassisten Tom Metzger oder Jürgen Rieger in Deutschland, die das Verbreiten von Hass, die Versorgung des rechten Lagers mit Parolen zu ihrem Geschäft gemacht haben – und die, so Mo Asumang, sind von ihrer Ideologie nicht abzubringen, weil das ihr Lebensunterhalt ist.

Erfahrungen wie diese hat sie in dem Buch „Mo und die Arier“ aufgeschrieben; bei der „Lesart“-Diskussion von Deutschlandradio Kultur, Grillo-Theater, der Buchhandlung Proust und der WAZ im ausverkauften Café Central des Theaters ging es aber auch um die gegenwärtige Debatte um Flüchtlinge, die „so emotional und so polarisierend“ ist wie keine politische Diskussion der letzten Jahrzehnte, befand WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock: „Mir fehlt allerdings am meisten die europäische Solidarität. Wenn je 500 Eu­ro­päer fünf Flüchtlinge aufnähmen, wäre das Problem gelöst!“ Die Deutschen, vermutete Tyrock, würden in der Debatte sehr viel gelassener agieren, wenn sie wüssten, dass die Flüchtlingskrise in zwei, drei Jahren überwunden sei.

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Ideologie und Krise
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2016-02-10 17:02
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