„Ich bin so wie ich bin“

Sein Ton lässt Klassikkenner seit geraumer Zeit aufhorchen. Dabei ist der Hornist Felix Klieser erst 24, und in die Wiege gelegt war dem Göttinger eine Karriere gewiss nicht. Heute wird der Mann, der dem Horn „zu Fuß“ Töne entlockt, als Riesentalent gefeiert.

Sie reden lieber über Musik als über sich. Fangen wir mit Mozart und Haydn an: Gratulation zum neuen Album! Sie zaubern da wirklich einen famos weichen Ton auf dem Horn.

Felix Klieser: Freut mich, dass Sie das so hören! Ich beschäftige mich sehr mit Klangstrukturen. Das Horn ist ja kein so virtuoses Instrument wie etwa die Trompete. Das technisch Abgefahrene – extrem hoch, extrem schnell – das ist einfach nicht die Stärke des Instruments. Die Stärke des Horns ist die Pracht und die Farbe, mit denen es auch große Orchesterwerke extrem bereichert. Und darum kultiviere ich das sehr.

Kaum auszudenken, was uns entgangen wäre, wenn Sie auf andere gehört hätten: Ihre Umgebung hat sie nicht gerade ermutigt...

In meiner Jugend hat mir nie jemand geraten, Berufsmusiker zu werden. Alle haben das als Hobby gesehen, nach dem Motto: „Ganz lustig, aber mach’ was anderes!“

Sie kommen aus keiner Musikerfamilie. Aber mit vier Jahren zeigt Felix plötzlich auf ein Horn und sagt seinen Eltern: Das will ich spielen!

Stimmt! Aber wie das kam, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Es gab keine klassischen Konzertbesuche, kein Klavier, nicht mal ‘ne Deko-Geige an der Wand.


Das Horn gilt als tückisch schwieriges Instrument. Man braucht eine relativ hohe Frustrationstoleranz. Haben Sie die?

Bestimmt, zumal ich nicht besonders talentiert bin. Für „Alle meine Entchen“ habe ich anderthalb Jahre gebraucht. Das mit dem Talent ist jetzt wirklich keine falsche Bescheidenheit. Es gibt Kollegen, die üben viel weniger und bringen viel mehr mit. Aber es gibt beim Profi-Musiker den Punkt, ab dem jeder arbeiten muss – und ab dem verlieren die eben. Ich glaube, das ist die einzige Stärke, die ich besitze: dass ich sehr gerne und viel übe. Ich finde das eine schöne Einsicht: Nichts ist gottgegeben – man kann durch Arbeit sehr weit kommen.

Wie viel ist Arbeit am wunderbaren Hornspiel des Felix Klieser?

(lacht) Vielleicht 80 Prozent. 10 Prozent ist das richtige Instrument. Die anderen 10 Prozent: dass ich einen Mund habe und zwei Lungenflügel.

...aber eben keine zwei Arme mit jenen Händen, ohne die sich kein Laie gutes Hornspiel vorstellen kann. Sie spielen fabelhaft, und Sie tun es mit den Zehen. Fürchten Sie jene Popularität, die dieser Besonderheit geschuldet ist?

Ich bin ein gesamter Mensch. Ich bin so, wie ich bin. Natürlich finden Leute die Musik spannend, andere finden das Spiel ohne Arme spannend. Daran kann ich nichts ändern. Ich glaube, bei jedem Künstler ist es so. Anne-Sophie Mutter ist eine sensationelle Geigerin und dann noch besonders schön. Das gehört nun mal dazu, ob man es will oder nicht. Natürlich will ich, dass es um die Musik geht und dafür tue ich viel, aber aussuchen kann ich es mir nicht.

Sie schützen sich aber doch in gewisser Weise, wollen nicht ausgestellt werden. Bunte Blätter kriegen von Felix Klieser eine rote Karte...

Reine Privat-Geschichten mache ich nicht. Es geht mir um Musik. Natürlich klopfen die alle an: Bunte, Gala und so. Neulich wollte „Stern TV“ einen Beitrag machen. Ich habe denen Dreharbeiten beim Konzert angeboten, bei der Probe, auf Tour. Aber die Antwort war: „Nee, machen wir nur, wenn wir ‘ne Home Story bekommen.“ Da muss ich dann sagen: Danke, tschüs, da ist die Tür.