Horst Eckerts "Schattenboxer" ist guter Lesestoff für Krimi-Fans

Autor Horst Eckert vor der Kulisse des Düsseldorfer Medienhafens.
Autor Horst Eckert vor der Kulisse des Düsseldorfer Medienhafens.
Foto: Kathie Wewer/Grafit Verlag
Der Düsseldorfer Thriller-Autor Horst Eckert thematisiert in seinem neuen Buch "Schattenboxer" einen nicht aufgeklärten Mord. Auch Verschwörungstheoretiker werden ihre Freude haben.

Düsseldorf.. Bis heute ist der Mord an dem Treuhand-Chef und langjährigen Hoesch-Manager Detlev Rohwedder, der am Ostermontag des Jahres 1991 in seinem Haus in Düsseldorf-Niederkassel mit einem Gewehrschuss aus 60 Metern Entfernung getötet wurde, nicht restlos aufgeklärt. Am Tatort fand sich nicht ein einziger Fingerabdruck, aber ein Plastikstuhl, ein Fernglas und ein Handtuch mit Haaren des RAF-Terroristen Wolfgang Grams, ebenso wie ein Bekennerschreiben eines „Kommandos Ulrich Wessel“.

Bis heute ist der Fall ein beliebtes Trainingsgelände für Heerscharen von Verschwörungstheoretikern. Und als Winfried Schorlau den Fall vor über einem Jahrzehnt mit den tödlichen Schüssen auf Wolfgang Grams in Bad Kleinen und einem Flugzeugabsturz durch Schubumkehr in Thailand kombinierte, kam das nach wie vor lesenswerte Krimi-Debüt „Die blaue Liste“ dabei heraus.

Und nun hat der Düsseldorfer Thriller-Autor Horst Eckert, für den der Fall vor der Haustür lag, ihn auch verarbeitet, selbst wenn der ermordete Manager bei ihm Horst-Werner Winneken heißt. Im Zentrum aber steht Vincent „Che“ Veih, schon vertraut aus dem Vorgängerroman „Schwarzlicht“, Enkel eines alten Nazis, Sohn einer RAF-Terroristin und der Top-Ermittler in der Düsseldorfer „Festung“, wie sie das Polizeipräsidium nennen.

Erschreckende Zusammenhänge

Veih kämpft an mehreren Fronten: Zum einen muss er einen Mord unter Jugendlichen neu ermitteln, weil der Verdacht aufkommt, dass der Falsche ins Gefängnis geschickt wurde. Die Kronzeugin für diese Tat hat sich umgebracht – und zu allem Überfluss legt auch noch ein Serienkiller auf ihrem frischen Grab eine übel zugerichtete Leiche ab.

Es hagelt also schon auf den ersten Seiten Tote, und es bleiben nicht die letzten. Ein karrieregeiler linker Liedermacher spielt dabei eine Rolle, ein durchgeknallter Kunststudent – und Veihs Freundin, eine Journalistin, die über das Attentat auf Winneken recherchiert und dabei auf derart erschreckende Zusammenhänge stößt, dass sie am Ende darauf verzichtet, dieses Buch zu schreiben.

Einblicke ins Polizeimilieu

Eckerts temporeicher, spannungssatter, spekulationsfreudiger Thriller ist ein Ersatz dafür. Überzeugende Figuren sind kombiniert mit realitätsnahen Einblicken ins Polizeimilieu. Nur bleibt ein gewisser Widerspruch zwischen der Allmacht von Geheimdienstleuten (im Dienst und außer Kontrolle) und dem Überleben von Vincent Veih. Aber der soll ja noch weitere Fälle aufklären.

  • Das Buch: Horst Eckert: Schattenboxer. Wunderlich, 400 S., 19,95 Euro.

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