Höchste Emotionalität trifft vornehme Zurückhaltung

Dortmund..  Der junge Pianist Joseph Moog, 1987 in Ludwigshafen geboren, ist eine stattliche Erscheinung. Groß, souverän im Auftritt, ausgerüstet mit imposanten Händen. Weitgefasste Akkorde zu greifen ist für ihn kein Problem. Ordentlich zupacken kann er natürlich auch. Und doch ist sein Spiel ein sensibles, das virtuose Können wirkt gar etwas trocken. Moog stellt sich nicht dar, er ist eher stiller Gestalter, allerdings einer mit Gespür für den schönen, farbreichen Klang.

Das hat er nun beim Klavier-Festival Ruhr, im Konzerthaus Dortmund, in aller Sachlichkeit, die doch Leidenschaft in sich birgt, eindrucksvoll bewiesen. Seine Hommage an Alexander Skrjabin, zusammen mit den Bochumer Symphonikern unter Steven Sloane, ist von klarem rhythmischen Zugriff geprägt. Hinzu kommt eben der Sinn fürs opulente wie filigrane Kolorit.

Nun ist Skrjabins Klavierkonzert, das hier erklingt, noch stark an Rachmaninow orientiert, doch die kleinen Kadenzzellen des Variationensatzes, die sich ins Meditative weiten, leiten ebenso in die Zukunft wie manche urgewaltige orchestrale Steigerung. Der Solist Moog wiederum erweist dem späten Skrjabin mit dem leuchtenden Poem „Verse la flamme“ die Ehre, kostet die Hell-Dunkel-Kontraste fein aus, hält sich ansonsten aber vornehm zurück.

Starke Bochumer Symphoniker

Satte Farben, höchste Emotionalität und die Transzendenz des Klangs liefern indes vor allem die Bochumer Symphoniker, kontrolliert und noch gezügelt in Wagners „Tristan“-Vorspiel, betörend in Skrjabins „Le Poème de l’extase“. Steven Sloane treibt sein Orchester wieder und wieder in die grandiosen Aufschwünge des russischen Klangmagiers, bis sich alles im orgiastisch gleißenden Licht entlädt.

Wie ein wuchtiger, reißender Mahlstrom wirkt diese Musik. Kaum einmal eine Atempause. Dann von neuem große Verdichtung, geführt vom Glanz der Trompeten. Sie künden vom Rausch, der auch Schmerz in sich trägt.