Hochschul-Theologie im Überlebenskampf

St. Augustin..  Wegen anhaltenden Bewerbermangels für den Priesterberuf droht einigen Theologischen Fakultäten die Schließung. Mit der Überlebensfähigkeit der Fakultätenstandorte befasste sich der Katholisch-Theologische Fakultätentag auf seiner jüngsten Jahrestagung in St. Augustin. In dem Fakultätentag sind die bundesweit 20 Fachbereiche an Universitäten mit eigenem Promotionsrecht zum Dr. theol. und weitere 35 Institute vor allem für die Religionslehrerbildung in anderen Fakultäten zusammengeschlossen.

Die Zahl der Bewerber im Vollstudium ist in den vergangenen 15 Jahren um rund die Hälfte auf derzeit gut 2000 zurückgegangen, wie es hieß. Im gleichen Zeitraum verringerte sich die Zahl der Promotionen und damit des wissenschaftlichen Nachwuchses um ein Viertel auf rund 75 im Jahr. In Bamberg und Passau wurden katholische Fakultäten bereits stillgelegt.

Aktuell verlegt der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck die Priesterausbildung von der Uni Bochum nach Münster. Dort werden bereits die angehenden Priester der Bistümer Aachen und Osnabrück ausgebildet. Dabei geht es allemal auch um finanzielle Sparmaßnahmen an zu großen Priesterseminaren mit manchmal nur einer Handvoll Studenten, wie der Bochumer Fakultätsratsvorsitzende Christian Frevel einräumte. Schon macht unter besorgten Theologieprofessoren das Gerücht die Runde, die Deutsche Bischofskonferenz halte eine Handvoll Fakultäten mit breitem Fächerspektrum von der fast 2000-jährigen Kirchengeschichte bis zur modernen Seelsorge für ausreichend. Die Kirchenleitung dementiert.

Gleichwohl lässt sich der Mainzer Fundamentaltheologe Alexander Loichinger nicht von der Behauptung abbringen: „Der größte Feind der katholischen Fakultäten ist die Kirche selbst!“ Tatsächlich stehen und fallen die Fakultäten nach grundgesetzlich geschützten Vereinbarungen zwischen Staat und Kirche mit der Priesterausbildung. Ohne sie droht ihnen das Aus oder die Eingliederung in „weltliche“ Fachbereiche, indem sie berufsqualifizierenden Studiengänge etwa für Lehrer anbieten.

Offenbar liegt in der Laienausbildung die Überlebens- und Zukunftschance der Hochschul-Theologie. Seit der Jahrtausendwende ist die Studierendenzahl um etwa ein Fünftel auf 15.000 gestiegen. Jetzt suchen die Theologen dem Vernehmen nach eine Verständigung mit dem Philosophischen Fakultätentag, um ihrer wachsenden Laien-Kundschaft statt des Dr. theol. einen nicht-theologischen Dr. phil. anbieten zu können.

Der Wandel der Fachkultur zeigt sich auch in der Theologie-Professorenschaft. Priester sind an staatlichen Hochschulen mit etwa 40 Prozent in der Minderheit. Übrigens: 13 Prozent der Professoren sind bereits weiblich. Die Öffnung des Fachbereichs für Frauen scheint damit auf gutem Weg, ist aber vergleichsweise noch unterentwickelt.