Historikern entzaubert Legenden über die Wewelsburg

Blick in den Nordturm der Wewelsburg
Blick in den Nordturm der Wewelsburg
Foto: Wewelsburg
Was wir bereits wissen
Die Historikerin Kirsten John-Stucke hat ein Buch über die Wewelsburg bei Paderborn geschrieben. Sie entzaubert dabei Legenden und ersetzt sie durch seriöse Fakten.

Paderborn.. „Für viele Menschen ist die Wewelsburg ein geheimnisvoller Ort, der unheimlich und romantisch zugleich ist, die ,Gralsburg’ der SS, der Schauplatz geheimer Rituale, für manche auch ein energetisch besonders aufgeladener Platz. Mit der Realität hat dies nichts zu tun. Die Wewelsburg war kein mystischer Ort, sondern Bestandteil des Herrschaftssystems der SS.“ Wohl niemand weiß umfassender um die belastete Vergangenheit der Wewelsburg bei Paderborn als die Historikerin Dr. Kirsten John-Stucke. Als Leiterin des Kreismuseums Wewelsburg hat sie jetzt nach mehrjährigen Recherchen gemeinsam mit Daniela Siepe das Buch „Mythos Wewelsburg. Fakten und Legenden“ herausgebracht. Es ist der engagierte Versuch, die jüngere Geschichte von Deutschlands einziger Dreiecksburg seriös darzustellen.

In den 80er Jahren war es die bewusste Entscheidung des Kreises Paderborn, die Wewelsburg als eine Dokumentations- und Gedenkstätte auszubauen, um „die besondere Verantwortung für diesen Ort und seine Historie“ zu übernehmen, wie es der zuständige Landrat Manfred Müller formuliert hat.

In den Plänen der Nationalsozialisten, allen voran Heinrich Himmler, sollte die Wewelsburg zur SS-Ordensburg erhoben werden. Der „Spiegel“ nannte dieses Unterfangen im Rückblick einmal „Treffpunkt der Massenmörder“. Tatsächlich aber wurden die meisten Himmler-Pläne, die eine gigantische Burg-Erweiterung zur SS-Kader-Schmiede vorsahen, kaum in die Tat umgesetzt. Immerhin wurde eigens nahe der Wewelsburg ein Konzentrationslager mit 4000 Gefangenen eingerichtet, die zum Burg-Umbau vorgesehen waren. Annähernd 1300 von ihnen wurden hier ermordet.

Kein Platz für Menschenverachtung

Von den architektonischen SS-Hinterlassenschaften sind heute nur der „Obergruppenführersaal“ im Nordturm sowie die „Gruft“ des Nordturms überkommen. Den Saal „schmückt“ wie ehedem das als „Schwarze Sonne“ bekannte Runenmosaik auf dem Fußboden. Mit bunten Sitzsäcken wird der Raum jetzt gleichsam „entmystifiziert“ und Landrat Manfred Müller unterstreicht dabei: „In Wewelsburg werden die Hinterlassenschaften der SS nicht versteckt. Vielmehr werden ihre menschenverachtenden Zusammenhänge aufgezeigt und analysiert.“

Und auch das sagt der Politiker unmissverständlich: „Wer heutzutage seine menschenverachtende Gesinnung in Wewelsburg zur Schau tragen will. wird des Platzes verwiesen.“

Auch in ihrem Buch „Mythos Wewelsburg“ lassen John-Stucke/Siepe keinen Zweifel daran, dass sie der Burg keine Geheimnisse belassen wollen. In den Fachaufsätzen werden die Symbole einer rechtsextremistischen Mythenwelt regelrecht seziert. Thriller und Comics werden entsprechend ihrer Wewelsburg-Anleihen untersucht, und auch esoterische Ansätze bis hin zu satanischen Interpretationen werden deutlich enttarnt und es wird ihnen jegliche gefährliche und verirrte Faszination entzogen.

Kirsten John-Stucke u.
Daniela Siepe (Hg.):
Mythos Wewelsburg.
Fakten und Legenden.
Ferdinand Schöningh Verlag
300 S., 29,90 Euro


Adresse: Wewelsburg,
Burgwall 19, 33142 Büren

Tel.: 02955 76220