Herta Müller geht mit der China-Politik ins Gericht
09.12.2009 | 06:51 Uhr 2009-12-09T06:51:00+0100
Stockholm. Die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller stellte sich vor der Preisverleihung in Stockholm einem Großaufgebot der internationalen Presse. Humorvoll reagierte die Preisträgerin auf die Frage nach dem Preisgeld: "Ich kaufe mir keine Yacht, machen Sie sich da keine Sorgen."
Auf dem thronhaften Polstersessel fühlt sich Herta Müller im Börsensaal der schwedischen Akademie nicht ganz wohl. Er ist fast zu prächtig für die zierliche etwas scheue Frau, der die bedeutendste Literaturauszeichnung der Welt in diesem Jahr zuerkannt wurde. Fast mütterlich flankiert der Sekretär der Akademie die Schriftstellerin, setzt sich nie, bleibt stehen. Morgen wird Müller im eigentümlich blau gestrichenen Konzerthaus von Stockholm den Nobelpreis aus der Hand des schwedischen Königs Carl XVI. Gustaf entgegennehmen. „Nicht ich bekomme den Preis, meine Bücher“, sagte sie, als ihr der Nobelpreis im Oktober zuerkannt wurde. „Ich bin ein ganz gewöhnlicher Mensch und das möchte ich auch bleiben“, sagt sie heute mit ruhiger, fast trauriger Stimme. Was sie mit der Preissumme machen will? Wird nicht verraten. „Ich kaufe mir keine Yacht, machen Sie sich da keine Sorgen“, sagt sie.
Die Rumäniendeutsche widmete die traditionelle Nobel-Lesung am Montag der Unterdrückung und Erniedrigung von Menschen in Diktaturen. Sie kritisierte die mangelnde Aufbereitung der Verbrechen des rumänischen Geheimdienstes Securitate.
Harte Kritik an China-Politik
Und sie hat kein Verständnis für den Umgang der westlichen Industrienationen mit China, das für Großunternehmen aus demokratischen Ländern so wichtig geworden ist. „Menschen werden verhaftet, verschleppt, verfolgt. Gleichzeitig tut China so, als sei es auf dem Weg zu einem demokratischen Staat. Das stimmt aber nicht. Mao ist immer noch der große Held, wie viel Tode der auf dem Gewissen hat, wissen wir auch. Die Menschenrechte wurden nach der Olympiade wieder vergessen.” Herta Müller forderte eine striktere Menschenrechts-Politik: „Die westlichen Staaten meinen immer, man müsse sich vor so einem Staat verbiegen. Wenn die Akzeptanz des Westens nicht vorhanden wäre oder wenigsten kleiner wäre, müssten sich die Herrschenden in China auch überlegen was sie ändern müssen. Aber leider ist dem nicht so“, sagt sie.
12:59
Ich habe allerhöchste Achtung vor der Leistung der Chinesen die Probleme der Menschheit in den Griff zu bekommen. Es ist das einzige Land, das ernsthaft versucht die Bevölkerungsexplosion in den Griff zu bekommen. Dort wird es eine bessere Demokratie geben als im vielgelobten Westen. Und als Kulturnation müssen wir uns vor China verneigen. Da hilft auch keine Propagandaschnepfe.
14:54
Endlich zieht auch mal jemand Schlüsse aus dem Vergangenen und mahnt an wo solch ähnliche Dinge in unserer Zeit wieder passieren.
Wenn Menschen auf Unrecht hinweisen, kann das nie falsch sein.
14:20
Na ja, es geht ja um den Nobelpreis,
nicht so sehr um China. Und in Punkto Nobelpreis bin ich etwas überrascht. Sie schreibt über die Unterdrückung aus ihrer Sicht. Ihre Werke, besser Bücher, erhalten ja fast nur biographische Selbstreflexion über das Leben und Überleben in einer Diktatur. Dagegen ist nichts einzuwenden. Das findet sich auch bei Grass, das Biographische. Allerdings gilt für Grass, was für Herta Müller eben nicht gilt: Es fehlt das Transparente, das Übergreifende. Sie bleibt im Biographischen haften. Deshalb finde ich sie nicht so nobel-geignet
13:42
In diesem Lande darf man eigentlich nicht ernst reden. Mit Ironie und Zynismus ist man besser bedient. Es gibt hier einfach zu viele Neider, die Ehrlichkeit der Anderen über die Kloake der eigenen Kleinbürgerlichkeit ziehen. Der Begriff der Sauberkeit muss in diesem Lande neu definiert werden - auch mit Hilfe der internationalen Psychiatrie.
12:58
Hier sind die Knäste auch voll mit Politschen.
§ 130 läßt grüßen. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Böse liegt so nah!
Aber das scheint die Trulla nicht zu interessieren.
12:30
Ich hätte mir jemand anderen als Preisträger gewünscht, aber was solls. Verdient hat Herta Müller es auch, aber nicht für ihre Schriften, sondern stellvertretend für viele Literaten aus dem ehemaligen Ost-Block, die nie zu Ehren kamen, weder beim Nobel-, noch beim Büchner-Preis.
Sie hat den Preis verdient für ihre Rolle als Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur.
Deshalb sind ihre Worte gegenüber China verständlich, aber meines Erachtens auch sehr unüberlegt.
Herta Müller durfte 1987 ausreisen. Sie kam nach Deutschland. Das hätte sie nicht geschafft, wenn Deutschland nicht einnormales Verhältnis zu Rumänien aufgebaut hätte, damit sich solche Fälle wie Herta Müller im Sinne der Person humanitär lösen lassen. Nur wer miteinander redet, schafft Einfluss. Und vorsicht mit den bösen und den guten Staaten.
12:01
1 von multiphren
sie stehen nicht auf der Schurkenliste
weil Geld nicht stinkt und unsere Leistungsträger daran verdienen und nicht das bildungsferne Präkariat!!
09:49
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08:59
Na, wenn Lieschen Müller schon über Menschen-
rechte fabuliert, hätte sie mal die Scheuklappe
vom rechten Auge nehmen sollen und in das
Land mit den 3 großen Buchstaben sehen sollen.
Wenn sie das getan hätte, wäre es allerdings
wohl nichts mit dem Nobelpreis geworden.
08:38
@1
auf die schurkenliste gehören wir doch selber drauf - wenn einer wissentlich mit einem schurken geschäfte macht, hebt er sich nicht von diesem ab. aber so läuft es doch schon immer - und nicht nur mit china.
recht hat sie jedenfalls, die nobelpreisträgerin - wahrheit kann manchmal ganz einfach sein.