Helmuth Lohner: Ein Meister der Nuance ist tot

Helmuth Lohner 1986 in dem Fernsehspiel „Der elegante Hund“.
Helmuth Lohner 1986 in dem Fernsehspiel „Der elegante Hund“.
Foto: imago/teutopress
Der österreichische Schauspieler Helmut Lohner erlag mit 82 Jahren einem Krebsleiden. Er war Burgschauspieler und bekannt als "Jedermann" in Salzburg.

Essen.. So seicht der Beginn seiner Laufbahn als Operetten-Buffo in Klagenfurt und mit Operettenfilmen wie „Das Dreimäderlhaus“ oder an der Seite von Romy Schneider in der „Schönen Lügnerin“ war, so zwiespältige, vielschichtige, nicht selten gebrochene Seelen sollte Helmuth Lohner später spielen – vor allem auf der Bühne. Lohners Kunst war die Nuance.

Ein einziger, verzögerter Augenaufschlag, ein winziger Blick zur Seite, ein Zucken des Mundwinkels reichte ihm, um seine Rollen als wechselvolle, unausrechenbare Charaktere auszuprägen statt sie glatt in allzu vertraute Typen aufgehen zu lassen. Lohners Spiel war fein, fast vornehm, und höchst verständig.

Publikum lag ihm zu Füßen

Als der Wiener Schlossersohn Lohner 1979 in Manfred Wekwerths Inszenierung des „Prinzen von Homburg“ die Titelrolle übernommen hatte, lag ihm das Burgtheater-Publikum in Wien zu Füßen. Dort gehörte Helmuth Lohner, der auch in München, Berlin, Düsseldorf und Zürich engagiert war, in den 80er-Jahren zum Ensemble.

Kinderstar Anfang der 90er-Jahre gab Lohner fünf Mal den „Jedermann“ in Salzburg, mit Sunnyi Melles als Buhlschaft an seiner Seite. Später wurde das Theater in der Josefstadt wieder zu seiner künstlerischen Heimat, die es schon in den fünfziger Jahren gewesen war – nicht nur als Schauspieler, sondern ab 1997 auch fast ein Jahrzehnt lang als künstlerischer Direktor. Dort setzte er auch viele Pläne mit seinem Freund Otto Schenk um.

Lohner war auch in zahlreichen Fernseh-Rollen zu sehen

Lohner übernahm auch zahlreiche Fernseh-Rollen, im „Kommissar“ und bei „Derrick“ etwa, aber auch als Trotta in Michael Kehlmanns Verfilmung des „Radetzkymarsch“-Romans von Joseph Roth. Aber Lohner wusste nur zu gut zwischen Qualität und Quote zu unterscheiden. „Für einen Schauspieler“, sagte er einmal in einem Interview, „misst sich Popularität daran, ob er ins Fernsehen kommt. Popularität wird leicht mit wirklichem Erfolg gleichgesetzt.“

Am Dienstag ist Helmut Lohner, der fünfmal verheiratet war (unter anderem mit den Schauspielerinnen Susanne Cramer und Karin Baal, zuletzt mit der Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler), mit 82 Jahren einem Krebsleiden erlegen. In ihm hat die Bühnenkunst einen ihrer Großen verloren.