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Heinz Rudolf Kunze über das neue Album „Deutschland“

11.02.2016 | 16:59 Uhr
Heinz Rudolf Kunze über das neue Album „Deutschland“
Heinz Rudolf KunzeFoto: Alexander Volkmann

„Das sollte ein Paukenschlagtitel sein“, sagt Heinz Rudolf Kunze über sein neues Album, das er „Deutschland“ nannte. Ein Gespräch über Provokationen, gute Deutsche, Flüchtlinge – und den 60. Geburtstag.

Seit 35 Jahren und ebenso vielen Alben gehört der Mann zum rockmusikalischen Inventar des Landes. Fast überraschend, dass Heinz Rudolf Kunze vorher nie auf die Idee kam, ein Album „Deutschland“ zu betiteln. Steffen Rüth sprach mit dem Musiker, der im Herbst seinen 60. Geburtstag feiert.

Herr Kunze, in dem Päckchen mit der Vorab-Version ihres Albums steckten außerdem eine Plätzchenform mit den Umrissen Deutschlands sowie ein kleines Fläschchen Whisky.

Heinz Rudolf Kunze (lacht): Ach, nee. Echt?

Was soll das bedeuten? Dass sich ein jeder sein Deutschland backen oder schöntrinken möge?

Die Idee stammt nicht von mir, sondern von der Plattenfirma. Womöglich haben die sich genau das gedacht, was Sie sagen.

Womit trinken Sie sich Ihr Land denn schön?

Bei der Arbeit bin ich inzwischen nüchtern. Nach der Arbeit bin ich schon jemand, der gerne Alkohol trinkt. Am liebsten Rotwein.

Ist es mutig, das Album „Deutschland“ zu nennen?

Ich hatte lange einen anderen Arbeitstitel, und wie so oft, kam bei mir spät dieser Nachzüglersong, und der hieß eben „Deutschland“. Ich dachte „Okay, das Wort ist ein Hingucker, da kann keiner dran vorbei.“

Eine Provokation?

Es wird Menschen geben, die allergisch auf diesen Begriff reagieren und mir wieder was unterstellen.

Ihr Lied „Willkommen, liebe Mörder“ vom aktuellen Album Ihrer Band Räuberzivil wird von Pegida und AfD als Anti-Flüchtlingsstatement benutzt.

Es wird missbraucht. Ich habe mich wiederholt davon distanziert, dass es in dem Stück um die Verdächtigung und Verteufelung von Flüchtlingen gehen soll. Ich greife einfach die Max-Frisch-Parabel „Biedermann und die Brandstifter“ auf.

Sind Sie selbst ein guter Deutscher?

Kommt drauf an, was man darunter versteht. Ein guter Deutscher ist für mich der, der sich über sein Land Gedanken macht, sich an ihm reibt.

Mögen Sie Angela Merkels Haltung beim Thema Flüchtlinge?

Ich finde schon, dass man beides beachten muss: schützenswerte Menschen zu schützen. Aber auch klar zu machen, dass wir uns nicht gleichermaßen auch um Menschen kümmern können, die nach Deutschland kommen, weil sie ein besseres Leben suchen – auch wenn man dieses Ansinnen natürlich verstehen kann.

Musikalisch ist Ihr „Deutschland“ vielseitig. Sie spielen Blues, Rock, Country, Pop, Funk.

Die Platte konnte deshalb so klingen, weil ich mir nach 35 Jahren einen Traum erfüllt habe. Nämlich mit der ganzen Band gleichzeitig im Raum zu sein und aufzunehmen. Normalerweise geht das nacheinander im Schichtverfahren.

Sie haben jahrelang für mehr deutschsprachige Musik im Radio gekämpft. Warum ist das Deutsche in Rock und Pop jetzt so populär?

Weil die Leute, die in diesem Land aufwachsen, allmählich nicht mehr das Bedürfnis haben, sich mit einer anderen Sprache maskieren zu müssen. Da entkrampft sich endlich etwas. Für mich ist das eine hochwillkommene und ganz natürliche Entwicklung.

„Ich möchte anders sein“ heißt ei­nes der neuen Lieder. Ist Ihnen das gelungen?

Ja. Insofern, als dass ich meinen geheimsten Jugendtraum zum Beruf machen durfte. Ich traf mal in Osnabrück, wo ich aufgewachsen bin, einen alten Klassenkameraden wieder, der in der Schule als toller Hecht galt, und der nun beim Finanzamt gelandet ist. Er sagte „Mensch Heinz, du hast es ja tatsächlich gemacht“. Tja, da war ich ein bisschen stolz.

Ist die 60 ein bedrohlicher Einschnitt für Sie?

Seitdem man 20 wurde, ist jede „0“ bedrohlich. Mit 20 endet definitiv die verlängerte Kindheit, mit 30 definitiv die verlängerte Jugend.

Was endet mit 60?

Selbst wenn man sich als relativ fit betrachtet, endet das Middle Age. Ab 60 muss man sich zu dem Begriff „Alter“ irgendwie verhalten. Die Zahl ist nicht zu leugnen und macht schon Schwierigkeiten im Kopf, obwohl ich mich weiß Gott nicht wie ein Fast-60-Jähriger fühle.

Steffen Rüth

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