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Ruhrtriennale

Heiner Goebbels ist der große Kreative der Ruhrtriennale

16.08.2012 | 18:09 Uhr
Heiner Goebbels bei seiner Pressekonferenz im Vorfeld der Ruhrtriennale.Foto: dapd

Bochum.  Wenn das kein Zufall ist: Der vierte Intendant der Ruhrtriennale feiert ausgerechnet am ersten Tag des von ihm verantworteten Festivals 60 Jahre alt. Er hat aus ihr ein Spiegelbild seines universellen Kunstverständnisses gemacht. Leicht wird das für den Zuschauer nicht.

Ausgerechnet am Donnerstag, da die erste Spielzeit seiner Ruhrtriennale beginnt, begeht Heiner Goebbels seinen 60. Geburtstag. Feiern wird er ihn nicht. Zu sehr fordern ihn die Aufgaben des Festivals, das mit ihm noch anspruchsvoller geworden ist. Nach dem genialen Organisator und künstlerischem Grundsteinleger Gérard Mortier, nach dem sinnlich-prallen Theaterguru Jürgen Flimm und dem eher konventionellen Feingeist Willy Decker steht mit Heiner Goebbels ein Mann an der Spitze, der wesentlich schwerer einzuordnen ist.

Von Hause aus Musiker und vorzüglicher Pianist, tummelt er sich in allen Gefilden der Kunstszene. Er lässt sich ebenso wenig auf eine klare Position als Musiker oder Musikdramatiker einschränken wie John Cage, dessen 100. Geburtstag bevorsteht und mit dessen Musiktheater „Europeras“ Goebbels in einer Eigeninszenierung die Triennale starten wird. Ein Zufall ist das nicht. Ebenso wenig wie die enge Verknüpfung des Theaterabends mit der Installationsschau „12 Rooms“, die wenige Stunden vorher in Essen eröffnet wird und die Universalität von Goebbels’ Kunstverständnis unterstreicht.

Ausweg aus verkrusteten Traditionen

So beschaulich die Landschaft um Neustadt an der Weinstraße, der Geburtsstadt des Jubilars, so kantig verlief die Karriere des Universalkünstlers. Im Frankfurt der 70er-Jahre mischte er mit seinem „Linksradikalen Blasorchester“ in der Sponti-Szene mit. Mit der Zeit wurde seine Arbeit komplexer, auch durch die enge Freundschaft mit Heiner Müller. Die Suche nach Auswegen aus verkrusteten Traditionen und gestanzten Schemata führte ihn zu wagemutigen Performances, Gesamtkunstwerken, eigenwilligen Experimenten. So arbeitet Goebbels, der mit dem gleichnamigen Nazi-Hetzer nicht verwandt ist, auch daran, dem Namen eine andere Identität zu geben.

Ruhrtriennale 2012

Mit den Titeln seiner Kompositionen und Bühnenstücke („Stifters Dinge“, „Landschaft mit entfernten Verwandten“, „Die Befreiung des Prometheus“) lässt er das Publikum oft im Unklaren. Eindeutige Handlungen und Erzählstrukturen liefen seiner Ästhetik zuwider. Entsprechend geheimnisvoll lesen sich die Überschriften der vielen Kreationen, die in den nächsten Wochen bei der Ruhrtriennale zu sehen sein werden. „Wie muss ein Theater heute aussehen, wenn wir wollen, dass in ihm morgen etwas entsteht, was wir jetzt noch nicht kennen?“, lautet eine Schlüsselfrage des Geburtstagskinds.

Im Ausland noch stärker geschätzt

Im September wird ihm der mit knapp 300 000 Euro versüßte Ibsen-Preis der norwegischen Regierung verliehen. Ein Zeichen, dass Goebbels im Ausland noch stärker geschätzt wird als daheim, was sich mit der Ruhrtriennale möglicherweise ändern wird. In der Begründung der Jury heißt es: „Goebbels ist ein wahrhafter Erneuerer und einer der großen Kreativen unserer Zeit.“ Freuen wir uns auf die Ruhrtriennale à la Goebbels.

Pedro Obiera


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