Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Komödie

„Hasta la Vista“ - ein Roadmovie im Rollstuhl

12.07.2012 | 17:57 Uhr
Urlaub vom Behindertenalltag: Lars, Philip und Jozef in „Hasta la Vista“.Foto: Ascot Elite

Essen.   Der belgische Behindertenfilm „Hasta la Vista“ begleitet drei junge Männer auf ihrer Reise ans Mittelmeer: Eine schöne, schräge Story über Selbstfindung und den ersten Sex - und die Schwierigkeiten und Schwächen von Menschen mit Behinderung.

Wer hätte gedacht, dass aus der cineastischen Beschäftigung mit Behinderung mal so viele richtig gute Filme werden. Nach dem französischen Kinohit „Ziemlich beste Freunde“ zeigt uns nun Geoffrey Enthovens gelungene Komödie „Hasta la Vista“, dass eigentlich kein Handicap so groß ist, dass man nicht darüber lachen kann. Auch dieser Film beruht dabei auf der wahren Geschichte eines querschnittsgelähmter Briten, der im englischen Fernsehen für das Recht von Behinderten auf Sex gekämpft hat.

Video
Lars sitzt im Rollstuhl, Philip ist vom Hals abwärts gelähmt, Jozef fast blind – und alle drei hatten noch nie Sex. Ziel ihrer abenteuerlichen Reise: ein Puffbesuch in Spanien … Komödie von Geoffrey Enthoven. B '11, FSK: ab 12. Start: 12.07.12

Wobei sich das „erste Mal“ für die drei belgischen Kinohelden besonders kompliziert gestaltet. Philip (Robrecht Vanden Thoren) ist vom Halswirbel abwärts gelähmt, der dicke Jozef (Tom Audenaert) tastet sich mit einem Blindenstock durchs Leben. Und in Lars (Gilles de Schryver) wächst ein Tumor, der ihn in den Rollstuhl zwingt. Was die drei nicht davon abhält, ihrem Ziel zu folgen. Ihr Traum heißt „El Cielo“. Ein spanischer Puff für Freier, die nicht auf eigenen Füßen stehen können. Wer seine Körperfunktionen kaum unter Kontrolle hat, will sich zumindest mal seiner Männlichkeit versichern.

Ohne falsches Mitleid und Betroffenheits-Gestus

Dass die Eltern nur ansatzweise in die Reisepläne ihrer Sprösslinge eingeweiht werden, versteht sich. Die erste Überraschung für Philip, Jozef und Lars nach der heimlichen Abreise: der im Internet engagierte Betreuer Claude entpuppt sich als ebenso beleibte wie bärbeißige Französin. Von da an erzählt der Film so vergnüglich wie schonungslos von den Barrieren, die sich den drei triebgesteuerten Abenteurern in den Weg stellen. Das begann schon mit der Frage, wer dem querschnittsgelähmten Philip am wachsamen Auge der Mutter vorbei den Koffer packt.

Filme wie „Hasta la Vista“, „Ziemlich beste Freunde“ oder auch das Down-Syndrom-Stück „Me too“ zeichnet aus, dass sie frei von falschem Mitleid und Betroffenheits-Gestus von den Schwierigkeiten, aber auch von den Schwächen der Behinderten erzählen. Während der egomanische Philip seinen Frust leicht ins Boshafte kippen lässt, macht dem sensiblen Lars ausgerechnet am Ziel der Träume der nervöse Magen zu schaffen. Dass dieses Roadmovie im Rollstuhl bewusst auf kein ungetrübtes Happy End zurollt, ist nur eine Stärke dieses Filmes, der weiß, dass ziemlich beste Freundschaft auch einen großen Verlust bedeuten kann.

Martina Schürmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Shakespeares Tanz der Elfen in Warhols „Factory“
Theater
Ein turbulenter, schriller, tanzfreudiger Zugriff auf den Klassiker: Jubelnder Beifall für den „Sommernachtstraum“ zur Spielzeit-Eröffnung am Düsseldorfer Schauspiel. Die Produktion, die Günter Beelitz’ erste Saison als Interims-Intendant eröffnete, hatte noch sein Vorgänger Manfred Weber geplant.
Heiner Goebbels verbeugt sich vor dem Revier
Bühne
Bedenkliche Schieflage: „Surrogate Cities Ruhr“ in der Kraftzentrale des Duisburger Landschaftsparks Nord mit exzellent aufgelegten Bochumer Sinfonikern, einem Stimmwunder David Moss, einer intensiven Jocelyn B. Smith und 140 Laien, von Grundschülern bis zu Martial-Arts-Artisten und Seniorentänzern.
New Yorker Metropolitan Museum zeigt Fotos von Thomas Struth
Museum
Der am Niederrhein geborene Fotograf Thomas Struth stellt im New Yorker Metropolitan Museum aus. 25 Bilder des Künstlers werden ab dem 30. September für etwa ein halbes Jahr zu sehen sein. Das Museum feiert Struth als vollkommendsten Künstler der letzten 50 Jahre.
„Supermensch“ ist fast zu absurd, um wahr zu sein
Kino
Neues von Mike Myers, der mit „Austin Powers“ Maßstäbe in Sachen Agentenfilm-Parodie geliefert hat,: Sein Kino-Porträt: über Shep Gordon zeigt einen der Strippenzieher des US-amerikanischen Pop- und Filmbusiness, der sich mit seinem Nachbarn Cary Grant das Sorgerecht für eine Katze teilte...
Parkour-Künstler aus Wattenscheid bei Show Urbanatix dabei
Urbanatix
Leroy Guse ist „Traceur“. Seit gut drei Jahren ist „Parkour“ die Leidenschaft des Schülers, er lässt dabei Hindernisse, geschaffen von Natur oder Architektur, fast spielerisch hinter sich. Der 18-Jährige aus Westenfeld lebt seinen Traum: bei der Street-Art-Show Urbanatix wird er dabei sein.
Umfrage
Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?

Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?