Harte Kritik am Kunstpoker der Portigon

Hagen/Münster..  Die Kunstszene reagiert mit harter Kritik auf die Pläne der Portigon, die Kunstsammlung der früheren WestLB zu verkaufen. „Jetzt muss man dringlich auch den Kunstbesitz der öffentlichen Hand in die Liste des nationalen Kulturgutes aufnehmen, damit die Werke wenigstens nicht ins Ausland verscherbelt werden können“, fordert Eva Pieper-Rapp-Frick, Vorsitzende des Hagener Osthaus-Bundes und stellvertretende Vorsitzende der Freunde des Museums für Kunst und Kultur in Münster. „Die WestLB hat diese Kunst nicht gekauft, ohne dass das in den Gremien abgesichert wurde. Daher muss man nun prüfen, wie die Begründung für die jeweiligen Käufe lautete. Ob sie als Geldanlage gedacht waren oder um den Bildungsauftrag der öffentlichen Hand zu erfüllen.“

Während sich im Hagener Osthaus-Museum keine Leihgabe der WestLB befindet, ist das Museum für Kunst und Kultur in Münster im Herzen von den Verkaufsplänen betroffen. Bis zu sieben bedeutende Werke befinden sich dort als Dauerleihgaben der WestLB, darunter zwei Johannestafeln des Meisters Giovanni di Paolo aus dem 14. Jahrhundert. Die hatte die WestLB seinerzeit gezielt erworben, um sie für Münster zu halten.

Warhol als Testballon

„Diese Werke sind ja angekauft worden, um sie der NRW-Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und den Bildungsauftrag zu erfüllen“, so die Kunsthistorikerin. „Eigentlich müsste man jetzt bei jedem Stück den Nachweis führen, wann es warum in die Sammlung gelangt ist.“

Eva Pieper-Rapp-Frick hält den vorausgegangenen Warhol-Verkauf von Westspiel für einen Testballon im Kunstpoker. „Das waren Stücke, die sehr bewusst gewählt wurden. Die Summen, die erreicht wurden, machen jetzt den Mund wässrig. Aber das hat nichts mit den Erlösen zu tun, die tatsächlich noch erzielt werden können. Nicht nur, weil es sich um eine Spielbank handelt, finde ich den Begriff ,zocken’ hier passend.“

Außerdem sei es ein sehr falsches Signal, dass die Verkaufspläne vor dem geplanten runden Tisch im Kulturministerium herausgegeben wurden. Wenn es ihr passe, verhalte sich die Portigon wie ein privates Unternehmen. In diesem Fall dürfe die Allgemeinheit auch nicht für die Milliarden-Schulden der früheren Bank haftbar gemacht werden. Sei sie jedoch nicht privat, hätte die Allgemeinheit Anspruch auf die Bilder. „Wenn man den Schaden eines Verkaufs gegen den Nutzen abwägt, stellt man fest, dass es intelligentere Lösungen geben muss.“

Sammlung von Weltrang

Den Begriff „alternativlos“ lässt Pieper-Rapp-Frick nicht gelten, da es sich nicht um die Insolvenz eines Unternehmens, sondern um seine Abwicklung handelt. „In dieser Geschlossenheit ist die Sammlung Weltklasse, vor allem was die Kunst der 60er und 70er Jahre betrifft. Aber eben nur in ihrer Gesamtheit, nicht, wenn sie in ihre Einzelteile zerlegt wird. Alles, was man an Geld generiert, zerrinnt ja zwischen den Fingern. Das Original-Kunstwerk jedoch überdauert. Aktien und Immobilien kann man zurückkaufen. Aber ein Originalkunstwerk nicht, wenn es dann in Japan hängt.“