Interview
Hans Liberg: Ein Mann für jede Tonart
25.02.2010 | 17:14 Uhr 2010-02-25T17:14:00+0100
Nestbeschmutzer oder genialer Spaßvogel? Seit gut einem Vierteljahrhundert nimmt sich der diplomierte Musikwissenschaftler und Satiriker klassische Kompositionen zur Brust. Auch im Jubiläumsprogramm „Das Beste” findet Hans Liberg immer die richtige Tonlage, selbst wenn sie eine ziemlich schräge ist.
Herr Liberg, wenn man mit Ihnen kritisch ins Gericht gehen wollte, könnte man sagen: Er ist Satiriker geworden, weil's für einen Konzertpianisten nicht gereicht hat...
Liberg: Teilweise ist das schon wahr. Denn: Wenn man Musik so hört wie ich, dann kann man kein Konzertpianist mehr werden. Ich denke beim Spielen an ganz andere Sachen, habe eine völlig andere Konzentration.
Können Sie eigentlich noch Musik mit Genuss hören, ohne über einen möglichen Witz nachzudenken?
Liberg: Das kann ich kaum mehr trennen. Wenn ich Musik höre, dann ist das so, als würde ich jemandem zuhören und darauf warten, dass er sich verspricht. Aber ich weiß Musik dadurch auch mehr zu schätzen – weil ich die Struktur erkenne und verstehe, was sich Beethoven dabei gedacht hat.
Sie entdecken auch im Pop Elemente der klassischen Musik. Ist also jeder Song schon einmal geschrieben worden?
Liberg: Wahrscheinlich ist das so, ich kann's aber nicht beweisen. Papst Gregorius hat bereits alle Melodien sammeln lassen, die es möglicherweise gibt. Und wenn die Rolling Stones heute „Paint It Black” spielen (singt lauthals), dann ist das auch gregorianische Musik.
Sie springen und tanzen bei Ihren Auftritten über die Bühne, spielen nie ein Lied zu Ende – in Deutschland sprechen wir da von „Aufmerksamkeits-Defizit-Störungen”...
5.3. Düsseldorf (Tonhalle, ca. 37-49 ���: www.savoy-theater.de)
24.3. Dortmund (Konzerthaus)
25.3. Recklinghausen (Ruhrfestspielhaus)
27.3. Soest (Stadthalle, ab 35 €: www.stadthalle-soest.de)
16.4. Essen (Philharmonie).
Karten für die Auftritte in Dortmund, Recklinghausen und Essen (ca. 36-48 €) gibt es in unserem TICKET-SHOPs unter 01805/280123, www.DerWesten.de/tickets
Liberg: (lacht) Ja, aber es wird weniger bei mir. Brecht nannte das den „Verfremdungseffekt”: Man spielt etwas, kombiniert es mit etwas anderem – und die Leute sind aufmerksamer. Ja, und immer, wenn ich die Deutsche Nationalhymne höre, muss ich dazu einen Klingelton spielen – weil das im Leben auch ständig so passiert.
In Ihren Shows unterlegen Sie Politiker mit bekannten Melodien: Bei Frau Merkel spielen Sie die Erkennungsmusik aus den „Dick & Doof”-Filmen...
Liberg: Stimmt, aber die gleiche Musik benutze ich auch für den holländischen Ministerpräsidenten, den belgischen oder den englischen Premierminister. Jedes Land hat die Angela Merkel, die es verdient. Geht es um einen Bösewicht – wie George Bush – dann spiele ich „Der rosarote Panther”. Bei Berlusconi natürlich auch. Solche Stereotype gibt's überall.
Wissen Sie immer, wann eine Nummer in Klamauk abzudriften droht? Können Sie sich rechtzeitig bremsen?
Liberg: (lacht) Manchmal stelle ich fest, dass ich das nicht kann. Aber man muss nicht immer hohe Qualität abliefern. Man kann auch schlechte Witze einstreuen, damit die guten Witze besser ankommen. So funktioniert das.
In Deutschland freuen sich die Menschen immer, wenn Sie mitklatschen dürfen. Darf man bei Ihnen mitklatschen?
Liberg: (zögerlich) Jaaa, aber ich bin kein Fan des Mitklatschens. Ich erlaube das nur aus satirischen Gründen.
Bei Ihrem Landsmann Andre Rieu ist das kein Problem...
Liberg: Was die Masse will, das wird gemacht. Bei Rieu dürfen die Leute mitklatschen und sich der Illusion hingeben, klassische Musik zu hören. Aber das ist es natürlich nicht. Das ist Strauss als Entertainment. Würde Rieu das mit Bruckner machen, würden die Leute wegbleiben.
Zum Schluss: Gibt es Musik, die Ihnen so sehr am Herzen liegt, dass Sie keine Witze drüber machen würden?
Liberg: Nichts ist zu heilig. Alles, was gut ist, sollte man auch vom Sockel herunterholen können – es bleibt trotzdem gut. Das gilt übrigens auch für die Katholische Kirche: Man kann Witze drüber machen, aber die Institution bleibt.
Vielen Dank, Herr Liberg – ich habe keine Fragen mehr.
Liberg: Das trifft sich gut, denn ich habe auch keine Antworten mehr.
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