Hagener Schauspieler Tambrea als SS-Folterer in ARD-Film

Sabin Tambrea spielt in "Nackt unter Wölfen" den SS-Lagerführer Hermann Reineboth im Konzentrationslager Buchenwald.
Sabin Tambrea spielt in "Nackt unter Wölfen" den SS-Lagerführer Hermann Reineboth im Konzentrationslager Buchenwald.
Foto: MDR/UFA FICTION
Was wir bereits wissen
Der Hagener Schauspieler Sabin Tambrea spielt nach dem Märchenkönig Ludwig nun einen SS-Folterer. Der Film „Nackt unter Wölfen“ über die letzten Wochen im KZ Buchenwald wird am 1. April in der ARD gezeigt.

Hagen.. Der Hagener Schauspieler Sabin Tambrea ist als König Ludwig zum Kinostar geworden. Nun kommt das nächste große Filmprojekt des 30-Jährigen ins Fernsehen. In „Nackt unter Wölfen“ (Mittwoch, 1. April, ARD, 20.15 Uhr) verkörpert Tambrea das genaue Gegenteil des kunstsinnigen sensiblen Märchenkönigs. Er spielt einen SS-Untersturmführer im KZ Buchenwald kurz vor der Befreiung durch die US-Truppen. Im Interview mit unserer Zeitung berichtet Sabin Tambrea von der Herausforderung, diese Rolle zu gestalten und von den Veränderungen, die der Nachruhm des Ludwig-Projektes mit sich bringt.

SS-Lagerführer Reineboth ist ein Folterer, aber auch ein Schöngeist. Wie legt man einen so unangenehmen Charakter an?

Sabin Tambrea: Es war schwer für mich, diese Figur zu ergründen, weil ich als Privatperson natürlich ganz andere Werte vertrete als Reineboth. Aber als Schauspieler muss ich mich einem Charakter neutral nähern, um die Gefahr zu vermeiden, dass er zu simpel und klischeehaft gezeichnet wird. Auch wenn es Überwindung kostet, einer solchen Person menschliche Züge zu verleihen, musste das sein, damit man seine böse Seite genauso ernst nimmt wie die gute.

Sie zeichnen den SS-Mann als unergründliche Gestalt. Niemals zieht er seine schwarzen Lederhandschuhe aus, deshalb isst er Pralinen sogar mit dem Zahnstocher.

Ja, der lauert ständig. Es war mir sehr wichtig, dass der Zuschauer sich genau vorstellen kann, dass dieser Mann einen Plan hat, aber nicht weiß, welchen. Dass man ihn nicht einschätzen kann, macht ihn so gefährlich. Die Figur ist vom Drehbuchautor fantastisch gebaut, für einen Schauspieler ist es ideal, wenn man am Ende so eine Wendung spielen kann. Was die Handschuhe betrifft, haben wir sehr lange überlegt, welches Geheimnis Reineboth hat. Am Ende sieht man ihn dann auch mal ganz kurz ohne Handschuhe und kann sein Geheimnis erraten.

Ihr Vater ist aus Rumänien geflohen und hat die Familie dann nachgeholt. Sie waren drei Jahre alt, als Sie nach Deutschland kamen. Haben die Diktatur-Erfahrungen, die Ihre Eltern machen mussten, Ihren Zugang zu den Buchenwald-Verbrechen beeinflusst?

Mein Großvater saß drei Jahre lang im Gefängnis, weil er einen Regimegegner bei sich hat übernachten lassen. Der war ein guter Freund von ihm. Er hat dann rückwirkend Tagebuch geführt, und da ist vieles enthalten, was ähnlich auch in dem Film behandelt wird: wie die Häftlinge im Steinbruch geschunden werden, die ganze unmenschliche Behandlung.

König Ludwig hat Ihnen unter anderem einen Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller eingebracht. Seither gelten Sie als Starschauspieler. Bedeutet das jetzt ein Leben in Glanz, Glamour und rauschenden Partynächten?

Das ist alles nicht so glamourös, wie man denkt. Es ist Teil des Berufs. Es gibt ein großes Überangebot an Schauspielern, da gerät man schneller in Vergessenheit, als man es kontrollieren kann. Im vergangenen Jahr habe ich zwei Filme gedreht. Das ist viel für die meisten Schauspieler. Aber beim Film wird man ebenso wenig reich wie am Theater. Ich habe jetzt den Jesus in dem Film „Jesus Cries“ gespielt – ein Lowbudget-Projekt, was große Freude bereitet hat, aber von der Gage allein könnte nicht meine Wohnungsmiete bezahlen.

Sie stehen aber auch noch auf der Theaterbühne.

Ich bin derzeit in acht Inszenierungen am Berliner Ensemble (BE) zu sehen, aber als Gast. Wir haben „Nackt unter Wölfen“ in Prag gedreht, und abends habe ich in Berlin Shakespeare gespielt. Nachts bin ich dann nach Prag gefahren und nachmittags wieder nach Berlin zurück. Das ging eine Woche lang so. Dann habe ich entschieden, mein festes Engagement am BE erstmals zu beenden. Als Gast hat man es besser in der Hand, die Termine zu koordinieren.

War Intendant Claus Peymann nicht ärgerlich?

Peymann war immer fair zu mir, und wir haben ein sehr respektvolles Verhältnis, auch wenn er mich lieber mehr am Theater hätte. Mir fehlt das Theater ebenfalls, aber man muss einfach schauen, wo man künstlerisch mehr bewegen kann. Manchmal liegt die Herausforderung im Film und manchmal am Theater.

Sie haben am Lutz des Theaters Hagen bei Werner Hahn angefangen. Können Sie sich vorstellen, mal wieder in Hagen zu spielen?

Es ist immer mein Wunsch, wieder etwas in Hagen zu machen. Ich habe den Traum, wieder mit der alten Truppe „Shakespeares sämtliche Werke“ im Lutz zu spielen. Ein mutiger Traum, der kommt immer wieder. Aber die Jungs schlagen sich ja auch ohne mich wacker mit dem „Messias“. Dominik Hahn und Marc Baron sind wirklich Freunde fürs Leben. Die haben mich jetzt in Prag bei den Dreharbeiten zu meinem 30. Geburtstag überrascht, das war wunderschön.