Hagener Filmautorin über die Berlinale: „Gute Filme verändern die Welt“

Die Hagener Filmautorin Gesine Enwaldt hat Freude an der Berlinale.
Die Hagener Filmautorin Gesine Enwaldt hat Freude an der Berlinale.
Foto: Phil Dera
Was wir bereits wissen
Eine Begegnung am Rande der Berlinale 2015 mit der vielfach preisgekrönten Fernsehjournalistin und Filmautorin Gesine Enwaldt aus Hagen. Sie lebt und arbeitet seit mehr als 25 Jahren in Berlin.

Berlin.. Für einen Besuch der Berlinale hat Gesine Enwaldt in diesem Jahr leider wieder keine Zeit. „Mich würde das alles wirklich brennend interessieren, und ich nehme mir auch immer wieder neu vor, meinen Terminkalender danach auszurichten. Aber dann kommt jedes Mal etwas Wichtiges dazwischen“, sagt die gebürtige Hagenerin, die seit 1987 mit einigen Unterbrechungen an der Spree lebt und arbeitet.

TV-Porträt über Ursula von der Leyen in Arbeit

Die vielfach preisgekrönte Fernsehjournalistin (2008 bekam sie den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Reportage“) war viele Jahre bei verschiedenen ARD-Sendern fest angestellt; heute ist sie freie Filmautorin und schließt gerade ein großes TV-Porträt über Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ab, das die ARD voraussichtlich am 23. März ausstrahlen wird.

„Einmal habe ich vor langer Zeit für die Tagesthemen einen Berlinale-Eröffnungsfilm vorgestellt“, erinnert sich Gesine Enwaldt noch ein wenig schaudernd an ein düsteres Stalingrad-Drama. Ansonsten sind ihre Kontakte zum Filmfest nicht sonderlich eng. „Ich glaube auch, dass die Berlinale als Kontakt-Börse und Netzwerk-Grundlage etwas überschätzt wird“, sagt die Filmautorin, die u. a. in den ARD-Studios von Tokio, Washington und natürlich Berlin sehr erfolgreich tätig gewesen ist.

Berlinale Als freie Autorin kümmert sie sich nun hauptsächlich um gesellschaftspolitische Themen. „Meine Überzeugung ist, dass man mit guten Filmen die Welt verändern kann“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich möchte mit meinen Arbeiten die Menschen bewegen, die Herzen öffnen und mich ganz allgemein für mehr Toleranz und Sinnhaftigkeit einsetzen.“ Ende Januar erst hatte Gesine Enwaldt mit ihrem Film „Ich fahre nach Auschwitz“ (ARD) für große Zuschauerresonanz gesorgt. Ein Film mit und über Anke Engelke ist neben dem erwähnten Minister-Porträt parallel in Arbeit.

Gesine Enwaldt kommt noch oft nach Hagen

Mit ihrer eigenen Produktionsfirma kann Gesine Enwaldt („Ich komme immer noch häufig nach Hagen“) ihre Pläne und Ideen in ganz eigener, umfassender Regie verwirklichen. Die Tochter des früheren Geschäftsführers der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK), Runar Enwaldt, sieht die gute Erziehung im Elternhaus sowie die religiös-moralische Unterweisung an der Hagener Hildegardis-Schule, wo sie auch ihr Abitur gemacht hat, als wesentliche Voraussetzung ihres journalistischen Engagements.

Kinderstar Milo Parker glänzt in „Mr. Holmes" an der Seite von Ian McKellen

Über eine ganz andere Form von bildendem Rüstzeug hat derweil der britische Nachwuchsschauspieler Milo Parker im Berlinale-Programm berichtet. Der außerordentlich talentierte und dabei nicht einmal zehn Jahre alte Kinderstar hat eine der Hauptrolle in dem Film „Mr. Holmes“ in der Regie von Bill Condon („The Twilight Saga“) mit beachtlicher Bravour bewältigt. An seiner Seite war aber auch kein Geringerer als Sir Ian McKellen, der unter anderem mit seiner Gandalf-Rolle in der Trilogie „Der Herr der Ringe“ ganz ohne Frage Filmgeschichte geschrieben hat.

Literatur Nun kehrt der geadelte Mime als Meisterdetektiv Sherlock Holmes in „Mr. Holmes“ auf die Leinwand zurück. Als inzwischen 92-Jähriger hat sich dieser Holmes von allen kriminellen Abenteuern zurückgezogen, züchtet Bienen auf dem Lande und leidet unter dramatischem Gedächtnisverlust. Es ist wahrlich eine weitere Paraderolle für den britischen Ausnahmedarsteller, der die literarische Figur des Sherlock Holmes in seiner vermeintlichen Genialität warmherzig entzaubert und im Sinne einer berührenden Menschlichkeit zugleich wieder einen frischen Zauber entwickelt.

"Er ist ja immer noch Gandalf"

Auf die Frage an den jungen Milo Parker, was der denn beim Drehen von seinem großen Mitspieler Ian McKellen habe lernen können, antwortete der Junge wie aus der Pistole geschossen: „Was ich von ihm lernen konnte? Ach, das war so viel – und er ist ja schließlich doch immer noch Gandalf!“