„Hänschen klein“ geht immer

Hagen..  Ist das Singen im Kindergarten etwa gebührenpflichtig? Diese Frage taucht oft auf, wenn neue Schlagzeilen über Gema-Rechnungen die Runde machen. In diesem Punkt herrscht inzwischen große Verunsicherung bei Eltern und Erziehern. Das Thema betrifft natürlich auch unser Liederprojekt, bei dem wir wöchentlich kostenfrei ein neues Kinderlied mit Notenblatt zum Herunterladen oder Ausdrucken anbieten. Christian Krauß, Geschäftsführer der VG Musikedition, beschreibt für uns die Gesetzeslage. Das Wichtigste zuerst: Unsere Liederprojekt-Titel sind rechtefrei, sie können ohne Angst vor der Gema für das Singen eingesetzt werden.

Kassiert die Gema für das Singen in Kindergärten?

„Um das Singen geht es überhaupt nicht, das wird immer wieder verwechselt“, antwortet Christian Krauß. Thema ist hingegen das Kopieren oder Ausdrucken von urheberrechtlich geschützten Noten und Texten. Dies ist nur mit Erlaubnis des Rechteinhabers gestattet. Der Hintergrund: Komponisten, Textautoren und Herausgeber schaffen geistiges Eigentum. Die Verwendung dieses Eigentums unterliegt ebenso Regeln wie die Verwendung von materiellem Eigentum, das man nicht selber geschaffen hat. Man muss es kaufen oder mieten, um es benutzen zu können.

Wie erkenne ich, ob ein Lied urheberrechtlich geschützt ist?

„Wenn der Urheber länger als 70 Jahre tot ist, erlöschen die Rechte“, so Christian Krauß. Also dürfen alle Lieder, die älter als 70 Jahre sind, kopiert werden. Fast alle traditionellen Kinderlieder wie „Hänschen klein“ oder „Trarira, der Sommer, der ist da“ sind rechtefrei. Aufpassen müssen Kindergärten allerdings bei neueren Liedern. Wer „In der Weihnachtsbäckerei“ im Kindergarten auswendig anstimmen will, darf das. Nicht erlaubt ist es jedoch, ohne Genehmigung die Noten zu vervielfältigen. Daran hält der Komponist Rolf Zuckowski die Rechte. Im Zweifelsfall hilft ein Blick ins Internet, um zu klären, wie alt ein Lied ist. „Denn eine Menge vermeintlich alter Volkslieder sind geschützt“, so Krauß.

Werden Noten und Liedtexte in Kindergärten denn überhaupt vervielfältigt? Die Vorschulkinder können doch noch gar nicht lesen.

„Wir haben eine Untersuchung gestartet, die einwandfrei gezeigt hat, dass in Kindergärten sehr wohl kopiert wird, und zwar für die Eltern, Erzieher und Großeltern“, argumentiert Krauß. Um hier Rechtssicherheit zu schaffen, haben die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern Pauschalverträge mit der Gema abgeschlossen. In NRW sei ein solcher Pauschalvertrag bisher nicht zustande gekommen. Ein Lizenzvertrag mit der Gema kostet in der Regel ermäßigt rund 47 Euro pro Jahr, da die meisten kommunalen und kirchlichen Einrichtungen Anspruch auf Rabatte haben.

Warum betrifft das Thema die Grundschulen nicht?

„Weil die Schulen einen Gesamtvertrag mit der Kultusministerkonferenz haben, der das Kopieren von geschützten Werken regelt“, so Krauß.

Und was ist mit den Kirchen?

„Wir haben ebenfalls Verträge mit den beiden großen Kirchen, da geht es um Kopien, die für den Gemeindegesang angefertigt werden, zum Beispiel wenn gesonderte Liedhefte für Hochzeiten kopiert werden“, schildert Krauß.

Immer wieder wird beklagt, dass die Gema bei Martinszügen abkassiert.

Christian Krauß: „Bei Martinszügen geht es ebenfalls nicht um das Singen, sondern darum, dass die Kindergärten Blätter mit Liedtexten oder Notenblätter an die Eltern verteilen. Handelt es sich dabei um geschützte Lieder, so muss bezahlt werden. Mit freien Liedern kann jeder machen, was er will.“

Was ist, wenn mein Kindergarten 20 Exemplare eines Liederbuchs gekauft hat?

Notenhefte und Liederbücher kann jeder Kindergarten natürlich so oft einsetzen, wie er möchte. Im Kaufpreis sind ja die Rechte abgegolten. Es geht nur um das Kopieren, Ausdrucken und sonstige Vervielfältigen von geschützten Material.