Gurlitt-Sammlung - Erstes Bild wird in London versteigert

Der spektakuläre Kunstfund in Gurlitts Schwabinger Wohnung war Ende 2013 öffentlich geworden.
Der spektakuläre Kunstfund in Gurlitts Schwabinger Wohnung war Ende 2013 öffentlich geworden.
Foto: Barbara Gind/dpa/Archiv
Was wir bereits wissen
Erst im Mai hatten die rechtmäßigen Erben das Bild "Zwei Reiter am Strand" aus der Gurlitt-Sammlung im Mai zurückbekommen. Nur einen Monat später wurde das Gemälde nun in London für eine Millionensumme versteigert.

London/München.. Das erste Bild aus der umstrittenen Sammlung von Cornelius Gurlitt ist in London versteigert worden. Das Gemälde "Zwei Reiter am Strand" von Max Liebermann kam am Mittwochabend für 1,9 Millionen Pfund (rund 2,6 Millionen Euro) im Auktionshaus Sotheby's unter den Hammer.

Erst im Mai war das Bild, das von der Taskforce Schwabinger Kunstfund als Nazi-Raubkunst eingestuft wurde, zu seinen rechtmäßigen Besitzern zurückgekehrt. Ein New Yorker Anwalt hatte das Werk des Berliner Malers (1847-1935) schon frühzeitig für sich und seinen Bruder zurückgefordert und im März 2014 sogar die Bundesrepublik Deutschland und Bayern vor einem Gericht in Washington verklagt - wegen Kunstraubes durch die Nazis.

Er habe mit 14 Jahren aus Deutschland fliehen müssen. Am 13. Mai 2015 bekam er das Bild zurück. Unter anderem wegen des Todes von Gurlitt am 6. Mai 2014 hatte sich die Übergabe immer wieder verzögert.

Sechs Bieter stritten sich in der Auktion um den Liebermann

Nach Angaben von Sotheby's hatte David Toren das Bild zuletzt vor mehr als 75 Jahren im Haus seines Großonkels David Friedmann gesehen, bevor es von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und später von Gurlitts Vater Hildebrand gekauft wurde.

"Meine Familie und ich freuen uns über die Auktion des Gemäldes meines Großonkels", sagte Toren laut Mitteilung des Auktionshauses. "Es hat mich zutiefst berührt, die Umstände, unter welchen das Gemälde gereist ist, nochmals zu erzählen und die Geschichte meiner Familie wieder aufzugreifen."

Mindestens sechs Bieter stritten sich in der Auktion um das Bild, das zunächst auf höchstens 750.000 Euro geschätzt worden war. Der spektakuläre Kunstfund in Gurlitts Schwabinger Wohnung war Ende 2013 öffentlich geworden und hatte eine hitzige Debatte um den Umgang mit Nazi-Raubkunst entfacht.

Bislang hat die zuständige Taskforce den Raubkunst-Verdacht nur bei einer Handvoll Werke bestätigt. Neben den "Zwei Reitern am Strand" wurde bislang nur das Henri-Matisse-Gemälde "Sitzende Frau" an die rechtmäßigen Besitzer restituiert.

Gurlitt hatte seine komplette Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Wegen juristischer Streitigkeiten um das Erbe hat das Museum die Kunstwerke aber noch nicht erhalten. (dpa)