Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Kultur

Günter Grass verteidigt israelkritisches Gedicht

19.02.2013 | 06:54 Uhr
Foto: /dapd/Axel Schmidt

Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat sein vor knapp einem Jahr veröffentlichtes israelkritisches Gedicht "Was gesagt werden muss" verteidigt. Das Schlimmste, was man Israel und den dort lebenden Menschen antun könne, sei es, das Land zu schonen und ihm Kritik zu ersparen, sagte der 85-Jährige am Montagabend bei einer Lesung im Theater Berliner Ensemble.

Berlin (dapd). Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat sein vor knapp einem Jahr veröffentlichtes israelkritisches Gedicht "Was gesagt werden muss" verteidigt. Das Schlimmste, was man Israel und den dort lebenden Menschen antun könne, sei es, das Land zu schonen und ihm Kritik zu ersparen, sagte der 85-Jährige am Montagabend bei einer Lesung im Theater Berliner Ensemble. Man müsse die Missstände beim Namen nennen, betonte er. Das im April 2012 erschienene Gedicht hatte heftigen Wirbel verursacht, Israel hatte Grass sogar Einreiseverbot erteilt.

Die Kritik des Antisemitismus habe ihn sehr verletzt, sagte der Schriftsteller. Er wisse nicht, was für ihn schlimmer gewesen sei - ausgesprochene Kritik oder die Tatsache, dass viele, "die es besser wissen müssten", geschwiegen hätten, betonte er. Im BE trug er ein weiteres israelkritisches Gedicht vor, das im vergangenen Jahr in seinem Buch "Eintagsfliegen" erschienen ist: "Ein Held unserer Tage", eine Hommage an den israelischen Atomexperten Mordechai Vanunu, der in den 1980er Jahren Einzelheiten des israelischen Nuklearprogramms veröffentlicht hatte und deshalb zu mehrjähriger Haft verurteilt worden war.

Grass las Gedichte aus sechs Jahrzehnten vor. Erste zündende Ideen für sein episches Werk habe er dort häufig in diesen Texten gefunden, sagte er. "Die Lyrik gibt oft den Anstoß zu dem einen oder anderen." Grass' erstes Buch war ein Lyrikband - "Die Vorzüge der Windhühner" erschien 1956, drei Jahre vor dem Erfolg des Romans "Die Blechtrommel", für den Grass 1999 den Literaturnobelpreis bekam. Seitdem veröffentlichte der Autor rund 600 Gedichte; "es kommen vielleicht noch ein paar mehr dazu", scherzte er bei der Veranstaltung im BE.

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Die Städte in NRW fordern viele Millionen von Bund und Land, um marode Straßen zu reparieren . Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Straßen?
 
Aus dem Ressort
Lars von der Gönna lässt die Dinge über uns spotten
Buch
Der Essener Kulturredakteur hat ein Buch mit seinen schönsten Glossen zusammengestellt. Die meisten fangen mit „Neulich“ an und handeln von den Menschen nebenan und ihrem Alltag zwischen Bäckerei, Gefriertruhe und Badehose. Und als Bonus-Track gibt’s ein Dutzend „Ehegespräche“ dazu.
Die Theaterspielzeit beginnt - Das sind die Premieren
Theater
Vorbei die Zeit des geschlossenen Vorhangs von Dortmund bis Moers. Die Theater der Region stehen in den Endproben, legen bald mit den ersten Spielzeit-Premieren ihre Visitenkarten für die neue Saison vor.Manche setzen sehr auf Klassiker, anderen wagen mehr Experimente. Eine Übersicht.
„I AM“ erzählt vom Ersten Weltkrieg auf den Fiji-Inseln
Ruhrtriennale
Ein Requiem der besonderen Art. Wie weit der Erste Weltkrieg nach Menschenleben griff und Existenzen vernichtete, erzählt eine Tanz-Produktion der Ruhr Triennale. 100 Jahre nach 1914 beschreibt „I AM“, wie die Vernichtung selbst kleine Inselvölker auf der anderen Seite der Erde erreichte.
Lieberberg darf sein Festival doch "Rock am Ring" nennen
Rock-Festival
Erfolg für Konzertveranstalter Marek Lieberberg: Der "Rock am Ring"-Macher darf sein Festival auch nach dem Weggang vom Nürburgring weiter so nennen. Das hat das Oberlandesgericht Koblenz am Freitag entschieden. Wo das Festival im kommenden Jahr stattfindet, steht noch nicht endgültig fest.
"Bang Boom Bang" - der Ruhrpott-Kultfilm feiert Geburtstag
Kultfilm
15 Jahre ist es her, das die Ruhrgebietskomödie „Bang Boom Bang“ auf den Kinoleinwänden gezeigt wurde. Als Kleinganove „Schlucke“ ist Martin Semmelrogge bei vielen Fans unvergessen. An die Dreharbeiten erinnert sich der Schauspieler, als ob es gestern gewesen wäre.