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Gretchens Drama

12.08.2007 | 12:31 Uhr

LITERATUR. Ein guter Roman rollt den Fall der Frankfurter Kindsmörderin Susanna Brandt auf.

Sie lebte nicht einmal 26 Jahre, doch in der Literatur wurde sie unsterblich: Das Schicksal der Frankfurter Dienstmagd und Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt, die am 14. Januar 1772 hingerichtet wurde, hat Johann Wolfgang von Goethe so sehr beeindruckt, dass er es literarisch im "Faust" verewigte. Die Kindsmörderin, das war eine tragische Heldin des Sturms und Drangs, auch Goethes Freunde Heinrich Leopold Wagner und Jakob Michael Reinhold Lenz nahmen sich dieses dramatischen Stoffs an. In einem gut recherchierten, spannendem Roman hat Ruth Berger nun das Leben des "Gretchen" nachgezeichnet und zugleich ein Sittengemälde der Frankfurter Gesellschaft im zu Ende gehenden 18. Jahrhundert entworfen. Berger lässt sich nicht nur bis in die kleinste Kleinigkeit auf das damalige Leben in der Reichsstadt ein, sondern stellt die Lebensbedingungen der zum untersten Stand zählenden "Susann" denen des privilegierten jungen Goethe gegenüber, der den Fall von Anfang an mit Interesse verfolgte und wohl auch bei der öffentlichen Hinrichtung zugegen war, nachdem der Stadtrat beschlossen hatte, dass Susanna Brandt "zur wohlverdienten Strafe und anderen zum abscheulichen Exempel mit dem Schwerd vom Leben zum Todt zu bringen seye". Ob sie wirklich eine Kindsmörderin war oder nur ein tragisches Opfer von Justiz und Gesellschaft, das bleibt bis zum Schluss offen. (JD/NRZ) Ruth Berger: Gretchen. Ein Frankfurter Kriminalfall. Verlag Kindler. 444 S., 19,90 E.

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