Grass fürchtete einen dritten Weltkrieg

Madrid..  Der am Montag gestorbene Günter Grass ist bis ans Lebensende ein Skeptiker geblieben, der sich um die Zukunft der Menschheit große Sorgen gemacht hat. „Wir steuern auf den dritten großen Krieg zu“, sagte der Literaturnobelpreisträger in einem Interview der spanischen Zeitung „El País“, das am 21. März in Lübeck geführt und am Dienstag veröffentlicht wurde. „Es gibt überall Krieg. Wir laufen Gefahr, dieselben Fehler wie früher zu machen. Ohne es zu merken, als wären wir Schlafwandler, können wir in einen neuen Weltkrieg gehen“, warnte er. Grass beklagte in dem Gespräch die aktuelle Situation nicht nur in der Ukraine: „In Israel und Palästina wird es immer schlimmer. Im Irak haben uns die Amerikaner ein Desaster hinterlassen. Es gibt die Gräueltaten des Islamischen Staates und das Problem in Syrien, das fast aus den Nachrichten verschwunden ist, obwohl sich die Menschen dort weiter gegenseitig umbringen.“

Zudem zerstöre sich der Kapitalismus: „All diese irrationalen Mengen Geld, die weltweit fließen, haben mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun.“ Und sein „Blechtrommel“- Held Oskar Matzerath wäre nach Überzeugung von Grass heute „ein Computerfreak, ein Hacker oder so etwas Ähnliches.“