Gotteshaus ohne Gerüste

Rom..  Dieses Osterfest wird für Santa Maria dell’Anima, die katholische Kirche der deutschsprachigen Pilger in Rom gleich hinter dem Navona-Platz, ganz anders sein: Erstmals seit Jahrzehnten steht das Gotteshaus ohne Gerüste da.

Strahlend schön wie in früheren Jahrhunderten zeigt sich jetzt der Innenraum, in mühevoller Kleinarbeit sauber „geputzt“ von einem Zehn-Frauen-Team italienischer Restauratorinnen. 2,4 Millionen Euro hat allein die seit 2011 in Angriff genommene letzte Phase gekostet, alles bezahlt aus Mitteln der österreichisch-deutschen Nationalstiftung „Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima“, die sich vorwiegend durch ihren Immobilienbesitz aus Mietwohnungen und -lokalen rund um die „Anima“ finanziert.

Das eigentliche Wunder

„Heute könnte die Stiftung nicht mehr so viel investieren, bei den hohen Steuern, die wir jetzt zahlen müssen“, sagt Rektor Franz Xaver Brandmayr. Der Österreicher ist seit 2008 verantwortlich für den über 600 Jahre alten Komplex, zu dem ein päpstliches Priesterkolleg, die Stiftung und die deutschsprachige Pfarrei gehören.

Erst jetzt zeige sich, was für ein „grandioses Juwel“ diese Kirche selbst in Rom sei, das ja an sakraler Kunst nicht arm ist. Sogar alle Kostenvoranschläge und Termine seien eingehalten worden – das ist in Rom das eigentliche Wunder.

Stolz ist auch Chefrestauratorin Maria Rosaria di Napoli (36), Dozentin für Kunstgeschichte: „Jetzt hat die Kirche wieder ihr Gleichgewicht!“ Sie arbeitete mit einer römischen Spezialfirma zusammen. Zehn Frauen, alle schlank und rank. Kein Wunder, sie müssen in einem fort Leitern hinauf- und herruntersteigen. Der Frauenanteil im Restauratorenberuf liegt heute bei 80 Prozent. Für Maria Rosaria di Napoli ein Vorteil: „Frauen arbeiten gut zusammen. Und Harmonie wirkt sich auf die Qualität der Restaurierung aus.“

Warme LED-Beleuchtung

Wie, das zeigt ein Rundgang durch die Kirche. Dichte grüne Vorhänge mit Goldbordüren – selbst diese Neuheit musste vom Denkmalschutz genehmigt werden – öffnen sich jetzt den Besuchern hinter den Eingangsportalen. Und dann halten jene, die die Kirche von früher kennen, erst einmal den Atem an. Kein düster grauer Altarraum, keine im Dunkeln liegenden Seitenkapellen, keine fast schwarzen Gemälde und Fresken mehr, die nur ab und zu einen Farbtupfer zeigten. Keine schlecht reparierten Spuren von Wasserschäden mehr, den Folgen von Tiberüberschwemmungen früherer Jahrhunderte.

Der gesamte Innenraum ist jetzt wie die Sixtinische Kapelle in warme LED-Beleuchtung getaucht, die den restaurierten Farbenreichtum aller Kunstwerke hervorhebt. Marmorpartien, Pilaster, das Deckengewölbe, die Altäre der acht Seitenkapellen und auch die marmornen Grabdenkmäler erstrahlen in neuem Glanz. Restaurierungsfehler früherer Zeiten wurden beseitigt, auch die Glasfenster sind von innen gesäubert worden.

Mit Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten hatten nahezu alle Anima-Rektoren der letzten Jahrzehnte zu tun. So ließ der aus Essen stammende, 2005 verstorbene Rektor Richard Mathes in seiner Amtszeit zwischen 1998 und 2004 das Kirchendach sowie die Altarraumdecke reparieren. Es hatte schlichtweg hineingeregnet.