Goebbels-Zitate für 6507,87 Euro

München..  Buchautoren erhalten Geld vom Verlag, je nachdem, wie gut sich ihr Werk verkauft. Man spricht von Tantiemen. Im Fall von Joseph Goebbels, Hitlers Propagandaminister, ist der Fall aber komplizierter gelagert. Goebbels hatte in seinen Tagebüchern Einblick in das Innenleben des NS-Regimes gewährt.

Als die Verlagsgruppe Random House eine Biografie über Goebbels herausbrachte, die Zitate aus den Tagebüchern enthält, forderte dessen Nachlassverwalterin Cordula Schacht Tantiemen für die Familie des NS-Verbrechers.

Geld an Erben? „Im Leben nicht.“

Weil der Verlag an Nachfahren von Kriegsverbrechern kein Geld zahlen will, ging der Streit vor Gericht. „Geld an Goebbels Erben zahlen? Im Leben nicht“, sagte Justiziar Rainer Dresen der Deutschen Presse-Agentur.

Nach einem ersten Teilurteil vom September 2014 sollte Random House Auskunft über die Einnahmen aus der Goebbels-Biografie geben. Am heutigen Donnerstag verhandelt nun das Oberlandesgericht München im Berufungsprozess über den Fall.

Nachlassverwalterin Cordula Schacht ist niemand anderes die Tochter von Hitlers Wirtschaftsminister und Reichsbankchef Hjalmar Schacht. 1946 in Nürnberg, beim Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, wurde er freigesprochen.

Beschuldigt wurde er unter anderem „Verbrechen gegen den Frieden“ begangen zu haben. Später wurde Hjalmar Schacht Bestsellerautor und Wirtschaftsberater verschiedener asiatischer Staaten. Schacht starb 1970 in München.

Seine Tochter fordert nun exakt 6507,87 Euro vom Verlag Random House. Sie sieht sich als rechtmäßige Vertreterin des literarischen Vermächtnisses, das der einstige Propagandaminister Joseph Goebbels hinterlassen hat. Den Vorschlag von Random House, die Tantiemen an eine Holocaust-Stiftung zu zahlen, lehnte Schacht nach Angaben von Justiziar Rainer Dresen ab.

Der Justiziar führt aber nicht nur moralische Gründe an, die gegen eine Zahlung an Schacht sprechen. „Goebbels hat 1936 eine mündliche Vereinbarung mit dem Eher-Verlag über die postume Veröffentlichung seiner Tagebücher getroffen“, sagte Dresen. Alle Rechte des einstigen NSDAP-Verlags, in dem auch Hitlers „Mein Kampf“ erschien, liegen inzwischen beim bayerischen Staat.

Für Dresen steht deshalb fest: Nicht Cordula Schacht, sondern Bayerns Finanzminister Markus Söder verwaltet Goebbels’ Nachlass. Schachts Ansprüche seien demnach unbegründet.

Seit Jahren zahlen Medien

Dass die Rechte 70 Jahre nach dem Tod Goebbels – also noch in diesem Jahr – ohnehin frei werden, hat Dresen nicht von dem Rechtsstreit abgehalten. Seit Jahren hätten Medien Geld für die Verwendung der Goebbels-Zitate an dessen Nachfahren gezahlt. „Diese Frage hätte schon viel früher rechtlich geklärt werden müssen“, sagte Dresen.