Glanzlichter im Kunstpalast

Düsseldorf..  Nein, nicht verwandt und nicht verschwägert: Andreas Achenbach ((1815-1910) hat nur von der Kunst gelebt, die er selbst geschaffen hat: von Landschaftsgemälden aus dem Norden vor allem von Seebildern, die den Düsseldorfer Malerfürsten zu einem der führenden Künstler des 19. Jahrhunderts machten und, zusammen mit seinem nicht minder erfolgreichen Bruder Oswald, in Deutschland zum „A und O der Landschaft“.

Romantik, Moderne, Postmoderne

Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf nimmt Andreas Achenbachs 200. Geburtstag zum Anlass, den gebürtigen Kasselaner in einem bemerkenswerten Kabinett-Konzenrat zu präsentieren. ein Highlight neben 64 erlesenen Gemälden, Graphiken, Aquarellen und Skulpturen von Meistern des deutschen Expressionismus, italienischen Design-Heroen der 1980er Jahre und Jugendstil-Gläsern aus der Sammlung Heuer. Gleichzeitig wird die 50 Jahre währende segensreiche Unterstützungs-Arbeit der „Freunde Museum Kunstpalast“ ins verdiente Licht gerückt: „Spot On!“

Großausstellungen sind das nicht, aber sie machen jeweils Appetit auf mehr und lassen ahnen, mit welchen Schätzen der Kunstpalast sein Publikum an Rhein und Ruhr beglücken könnte, würde irgendwann das Obergeschoss im Ehrenhof 4-5 doch noch fertig.

Man würde zum Beispiel gerne noch viel mehr sehen von der wenig bekannten, aber exquisiten Design-Sammlung des Hauses. Oder vom Werk des erstaunlichen Andreas Achenbach, der schon als 12-Jähriger an der „Königlich Preußischen Kunstakademie Düsseldorf“ im Zeichnen unterrichtet worden sein soll und als gerade einmal 16-Jähriger die heimische Kunstwelt mit einer bemerkenswert reifen Vedute der „Alten Akademie“ verblüffte. Für die hatte der Sohn eines Bierbrauers und Buchhalters einen Ausblick aus dem Fenster der elterlichen Wohnung gewählt – ein für seine Zeit ungewöhnliches, weil allzu profanes „realistisches“ Sujet. Der Kunstverein für die Rheinlande kaufte es trotzdem, und für Achenbach begann eine Künstler-Karriere, die ihm zu einer Professur an der Akademie, Wohlstand und Zutritt zu den höchsten Kreisen der Gesellschaft verhalf.

Europaweit berühmt machten Andreas Achenbach indes seine zunächst noch der Romantik verpflichteten, später immer mehr naturnahen und dennoch dramatischen Gemälde von nordischen Landschaften und seine Bilder von tosenden Stürmen und peitschenden Wellen. Wobei selbst diese kleine Ausstellung das Zeug hat, Zweifel am Achenbach-Mythos zu säen, wonach Andreas, der Ältere, sich ganz auf den rauen Norden und das Maritime konzentriert haben soll, während der ebenfalls hoch talentierte Oswald (1827-1905) die damals äußerst gefragten lieblich heiteren Landschaften des Südens malerisch gepachtet haben soll.

Im Kunstpalast stehen wir vor einer wahrlich meisterhaft gemalten „Landschaft aus den Pontionischen Sümpfen“ von 1846, einem leuchtenden Beispiel für virtuose Licht-Schatten-Malerei und (neben einigen vorzüglichen Ölskizzen) Zeugnis dessen, dass Andreas vor Oswald zumindest das nicht-touristische Italien für sich entdeckt hat. Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Brüder, nicht unbedingt herzlich verbunden, doch beide ökonomisch gewieft, die Welt und den Kunstmarktkuchen unter sich aufgeteilt haben. Das Talent für die Karikatur indes scheint „Malerfürst“ Andreas allein besessen zu haben. Davon künden die bösen anti-biedermeierlichen Lithographien, die den Achenbach-Gemälden quasi vorgeschaltet sind.