Gewonnen!

Feiertage sind ja schön, können sich aber ziemlich in die Länge ziehen, vor allem, wenn man wegen des Wetters und des Alters der Mitfeiernden nicht richtig aus dem Haus kann. Nur essen und vor der Glotze liegen, das geht nicht. Also wird nachmittags eine Idee in den Raum geworfen, die so altmodisch anmutet wie das Konzept von Kniestrümpfen zum Faltenrock: Es müsste doch irgendwo noch ein Mensch-ärgere-Dich-nicht stehen. Sollen wir nicht etwas spielen?

Hinten in Opas Schrank findet sich eine verstaubte Schachtel mit Brettspielen, dazu der Kniffelbecher und die Würfel. Um 23.15 Uhr, längst nach ihrer üblichen Bettzeit, ruft Oma mit roten Backen und blitzenden Augen: Eines machen wir aber noch! Wie schnell die Stunden verflogen sind.

Beachtliche Wutanfälle

Beim Gewinnen und Verlieren werden Erinnerungen wach. An verregnete Sonntagnachmittage in der Kindheit, die mit Monopoly und Herzblättchen für Spannung sorgten und beim Mensch-ärgere-Dich-nicht für beachtliche Wutanfälle. Heute hat jedes Kind einen eigenen Fernseher im Zimmer stehen und den Computer dazu. Ihnen scheint es unvorstellbar, dass vor einem halben Jahrhundert die ganze Familie zusammen am Wohnzimmertisch saß, sogar der vielbeschäftigte Vater. Unser Opa verrät, dass in seiner Kindheit noch viel mehr gespielt wurde, denn das TV war noch nicht erfunden, und die Sonntage konnten auch in der guten alten Zeit endlos werden.

Warum haben wir das vergessen?

Warum haben wir nur vergessen, wieviel Spaß das Spielen macht? Geht es anderen Familien ähnlich? Liegt es am Computer? Das fragen wir uns mit drei Generationen. Und kugeln uns dabei vor Lachen, weil Oma ein Zocker-Gen offenbart und ihre Mitspieler gnadenlos rauswirft. Keiner streitet, keiner gähnt, der Fernseher bleibt stumm, und alle sind überrascht, wie wohl man sich in einer Gemeinschaft fühlen kann, ohne ständig mit dem Smartphone zu zappeln. Uns hat das Wieder-Entdeckerfieber gepackt: Halma, Mühle, Dame, Mikado. Bei den meisten Spielen, so staunen wir, können 80-Jährige genauso gut mithalten wie Kinder.

Oma ist die Siegerin. Opa sagt am nächsten Morgen, dass er lange nicht mehr so gut geschlafen hat. Ein echtes Geschenk, das noch nicht einmal etwas kostet. Wir haben alle gewonnen.

Die Spielekiste steht im Schrank nun ganz vorne.