Geschasster Rostocker Intendant will gegen Kündigung klagen

Rund 200 Bürger hatten das Rostocker Rathaus friedlich besetzt und für Theaterintendant Sewan Latchinian demonstriert.
Rund 200 Bürger hatten das Rostocker Rathaus friedlich besetzt und für Theaterintendant Sewan Latchinian demonstriert.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Entlassung des Rostocker Theaterintendanten Sewan Latchinian schlägt hohe Wellen. Er selbst und eine Gewerkschaft wollen sie nicht hinnehmen.

Rostock.. Der geschasste Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, will seine fristlose Kündigung nicht hinnehmen. Er werde dagegen klagen, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) sieht die Lage im Rostocker Theater als hochdramatisch an. "Es gibt keinen Generalmusikdirektor, keinen Operndirektor, keinen Schauspieldirektor und keine künstlerische Leitung mehr", sagte Präsident Jörg Löwer am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Was will man jetzt mit dem Volkstheater nur machen?"

Haushalt Der Hauptausschuss der Bürgerschaft hatte den Intendanten am Dienstag nach einem umstrittenen Vergleich der Theaterpolitik des Landes mit Kulturzerstörungen der Terrormiliz Islamischer Staat gekündigt. Dies war der Höhepunkt einer monatelangen Auseinandersetzung um die Zukunft des Theaters.

Latchinian sagte im Deutschlandradio Kultur, jeder wisse, dass der Vergleich nur ein Vorwand für die Kündigung sei. Als Grund dafür vermutete er vielmehr seinen Widerstand gegen die geplante Streichung von zwei der vier Sparten am Volkstheater.

Folgen für den Spielplan befürchtet

Im Februar hatte die Bürgerschaft weitreichende Strukturveränderungen beschlossen. Danach soll aus dem Vier- ein Zwei-Sparten-Theater werden. Schauspiel und Konzertwesen arbeiten eigenständig, Musik- und Tanztheater sollen mit anderen Bühnen kooperieren. Latchinian hatte monatelang gegen diesen Beschluss gekämpft. "Es kommen einem böse Ahnungen, dass jetzt jemand eingesetzt werden soll, der bequemer ist", sagte GDBA-Präsident Löwer. Die GDBA ist eine gewerkschaftliche Organisation der Bühnenangehörigen.

Für Mittwochnachmittag (14.30 Uhr) war im Volkstheater eine Vollversammlung der Mitarbeiter einberufen worden. Dort sollten sie von der Geschäftsführung und der Aufsichtsratsvorsitzenden Eva-Maria Kröger über den aktuellen Stand informiert werden, wie der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski sagte. Die Theater-GmbH sei weiter handlungsfähig, die Entlassung Latchinians hätte aber Folgen für den Spielplan. Zumindest die Stücke, bei denen Latchinian als Schauspieler auftreten sollte, würden entfallen. Die Fraktionsvorsitzende der Wählergruppe Rostocker Bund, Sybille Bachmann, kündigte eine Initiative an, um die Abberufung Latchinians rückgängig zu machen. (dpa)