Gerburg Jahnke will sich auf ihrem 60. das „jüngste Huhn“ sein

Kabarettistin Gerburg Jahnke feiert einen runden Geburtstag - mit philosophischen Gedanken und dem Wunsch nach ein paar Jahren Zeit zum Rumhängen.
Kabarettistin Gerburg Jahnke feiert einen runden Geburtstag - mit philosophischen Gedanken und dem Wunsch nach ein paar Jahren Zeit zum Rumhängen.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Gerburg Jahnke wird am Sonntag, 18. Januar, 60 Jahre alt. Ein Gespräch mit der Kabarettistin aus Oberhausen über das Bilanzziehen und die Furcht vor Demenz.

Oberhausen.. Als witzige „Großschnauze von nebenan“ kennen viele Gerburg Jahnke. Wer sich mit der Kabarettistin und ehemaligen Hälfte des Missfits-Duos jedoch länger unterhält, dem zeigt sie auch ihre nachdenkliche Seite. Am Sonntag wird sie 60 Jahre alt. Im Interview spricht sie über ihre Angst vor dem Alter und Rumhängen auf hohem Niveau.

Frau Jahnke, ein runder Geburtstag steht Ihnen bevor. . .

Gerburg Jahnke: Ja, ich habe demnächst Geburtstag. Und danke fürs Gespräch, tschüss (lacht). Madonna ist genauso alt wie ich. Aber die hat es geschafft, immer ein Jahr abzuzwacken und jetzt ist sie, glaube ich, aktuell 54. Ich wollte das auch so machen, aber ich hab’ es verpasst. Jeder weiß, wie alt ich bin. Also kann ich dem eh nicht entkommen. Ich mache eine Party und lade noch ältere Menschen ein. Dann bin ich das jüngste Huhn. Allein bin ich ja nicht: Knebel ist 60 geworden. Und Schmickler auch.

Bei runden Geburtstagen ziehen viele Menschen Bilanz. Sie auch?

Jahnke: Die schlimmsten Bilanzen waren mit 30, 40, 50. Mit 30 fragst du dich: Ist alles gut in deinem Leben? Oder hast du dich komplett verfahren? Bei 40 war es eigentlich ganz vergnüglich. 50 war schwierig, weil sich alles veränderte: die Wechseljahre, die Missfits-Trennung. Das war ein richtiger Bruch. Was ich aber auch als sehr positiv empfunden habe. Die Karten wurden noch mal neu gemischt. Und jetzt? Jetzt wird es sehr philosophisch. Plötzlich wird auch das Thema Gesundheit so ein scheiß-großes Thema.

Comedy-Serie Sie rauchen immer noch gerne?

Jahnke: Ich möchte eigentlich diesen runden Geburtstag rauchfrei erleben. Das ist gerade mein persönliches Desaster. . . (Gerburg Jahnke versteckt ein kleines Gähnen hinter der Hand.) Entschuldigen Sie bitte, ich hatte die Nacht so ein 24-Stunden-EKG.

Kann man damit schlafen?

Jahnke: Man schläft. Aber alle 30 Minuten wirst du von dem Geräusch wach, dem Druck am Arm.

Was messen die Ärzte damit überhaupt? Es ist ja nicht gerade natürlich, so oft wach zu werden.

Jahnke: Ob nachts mit dem Blutdruck alles in Ordnung ist, damit man nicht im Schlaf stirbt. Obwohl? Im Schlaf sterben, das wäre doch der Oberluxus. Oder beim Lachen.

Sind das Gedanken, die Sie jetzt öfter haben?

Jahnke: Schon. Ich habe nur noch eine Mutter, um die ich mich ein bisschen kümmere. Meinen Vater habe ich in seinen letzten Jahren begleitet. Da ist das Thema präsent: sterben, alt werden. Die Zahl der Leute, mit denen man in dem Alter noch Kontakt hat, wird immer weniger. Und wenn du einmal so einen Einblick kriegst in die ganze Heimsituation, dann könntest du nur noch kotzen. Ich kann gut verstehen, dass immer mehr Leute frühzeitig anfangen, sich zu organisieren, um dem Staat oder Leuten, die damit Geld verdienen, nicht ausgeliefert zu sein. Und wenn dann Demenz dazu kommt, dann wird die Pflege noch schwieriger.

Kabarett Ist Ihre Angst, an Demenz zu erkranken, in den letzten Jahren größer geworden?

Jahnke: Du bekommst den Eindruck, es erwischt jeden, egal wie du lebst. Es gibt Schauspieler, die immer viel Text auswendig gelernt haben. Und sie werden trotzdem dement. Was weiß ich, vielleicht haben sie sich nicht so gesund ernährt. Am Anfang gab es ja immer so Tipps. Man sollte sich selber erzählen, was man in der Zeitung gelesen hat. Das habe ich mal eine Weile versucht, da bin ich schon an den Namen gescheitert. Aber das ist ja Quatsch, weil es dich offensichtlich nicht davor behütet, dement zu werden.

Welche Wünsche haben Sie fürs nächste Jahrzehnt?

Jahnke: Ich wünsche, dass ich den Moment wahrnehme, wenn ich nicht mehr auf die Bühne gehen sollte. Weil mich kaum noch jemand sehen will. Und mich dann auch so zu verhalten, dass ich mich dezent zurückziehe. Und ich wünsche mir, dass ich mit Kolleginnen noch einige Zeit durch die Gegend ziehen oder auch im Fernsehen sein kann. Und dass da jetzt verstärkt auch junge Frauen reinkommen. Und dann wünsche ich mir, ein paar Jahre lang rumzuhängen.

Sie möchten mehr Ruhe in Ihrem Leben?

Jahnke: Ruhe? Ich will rumhängen, nichts tun. Das ist mein Arbeitspensum für die nächsten zehn Jahre. Qualitativ, auf hohem Niveau rumhängen (lacht). Das fänd’ ich ganz schön.

Jahnke kritisiert Sicht aufs Revier, Frauenquote und Social Freezing

Die Kabarettistin ärgert sich darüber, dass ihre Heimatstadt Oberhausen als „pleiteste Stadt“ in NRW bezeichnet wird. „Ich wusste gar nicht, dass es den Superlativ gibt: pleiteste.“ An der Kultur werde mal wieder als erstes gespart, aber zum Glück gebe es so viele kleine Projekte im Ruhrgebiet: Musik in Cafés, Programmkinos, Möglichkeiten des Austauschs. „Solange es das alles hier noch gibt, ist das lebenswert. Wir kennen das ja schon aus unserer Vergangenheit, ohne Geld Kultur zu machen.“

Kritisch sieht sie die Frauenquote: „Ich glaube, dass Frauen, die über die Quote reinkommen, von Männern und Frauen nicht ernst genommen werden.“ Eine Lösung für Frauen sei der Zugang zur Ausbildung, zu Netzwerken.

Zur Diskussion über Social Freezing, das Einfrieren von Eizellen, um Frauen auch im fortgeschrittenen Alter die Geburt eines Kindes zu ermöglichen, sagt Jahnke: „Da könnte ich an die Decke gehen! Welche Dummheit zu glauben, dass das eine Lösung sei. Auch haben die die Technik noch gar nicht im Griff.“ Es sei der falsche Weg: „Es muss sich nicht etwas an den Symptomen ändern, sondern an der Ursache.“

In unserer Videoserie „So lacht das Revier“ sprachen wir mit Gerburg Jahnke im Paternoster im Rathaus Oberhausen über ihren Humor: So lacht das Revier – Mit Frau Jahnke geht’s aufwärts.