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George Orwells "1984" wird 60 Jahre

08.06.2009 | 16:27 Uhr

Essen. Noch immer harren im "Big Brother"-Camp Freiwillige aus. Doch woher der Begriff "Big Brother" kommt, weiß kaum noch jemand. Vor genau 60 Jahren erschien George Orwells Zukunftsvision "1984". Auf Westropolis blickt Ingo Juknat zurück - und vor.

Ingo Juknat auf Westropolis:

George Orwell - der Mann, der 1984 schrieb (Foto: Pressedienst der ARD)

""Wenn wir davon nicht fünfzehn- bis zwanzigtausend Exemplare verkaufen, gehören wir erschossen," schrieb der Verleger Frederic Warburg Ende 1948 an seine Mitarbeiter. Gemeint war ein Stapel Papier, der gerade vom schottischen Eiland Jura eingetroffen war. Absender: George Orwell.

Ein halbes Jahr später, am 8. Juni 1949, erschien "1984." Die anvisierten 20 000 Exemplare waren bekanntlich schnell übertroffen. Orwell selbst hatte nicht mehr viel davon. Er starb ein halbes Jahr später an einer Langzeittuberkulose, die sich im rauen Klima von Jura verschlimmert hatte. Die Krankheit hatte ihn während der Arbeit an "1984" ständig begleitet. Orwell selbst sagte, das Buch wäre wahrscheinlich nicht so düster ausgefallen, hätte er sich nicht so schlecht gefühlt.

Man muss nicht weit ausholen, um den Einfluss dieser wichtigsten Dystopie des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen. Ausdrücke wie "Unperson", "Großer Bruder", "Neusprech" oder "jetzt schlägt's 13" sind längst in die Alltagssprache eingeflossen und werden kaum noch mit dem Roman assoziiert. Es gibt sogar eine MTV-Sendung namens "Room 401," die auf die Folterkammer in Orwells "Liebesminsterium" anspielt (obwohl die Raumnummer dort 101 ist).

Heute wird "1984" meist als (überstrapazierte) Chiffre für den Überwachungsstaat gesehen. Dabei sind die sprachphilosophischen Ideen eigentlich der interessantere Teil des Buches. Orwell war fasziniert von der Idee des sprachlichen Determinismus' – von der These, dass bestimmte Dinge nicht denkbar seien, wenn das Vokabular dafür fehlt. Die Frage war: Könnte ein diktatorischer Staat seinen Bürgern bestimmte Denkweisen abtrainieren, indem er die dazu gehörigen Worte verbannt und durch neue, "gereinigte" Formen ersetzt?..."

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