George Clooney: „Ich bin so glücklich wie noch nie“

"Ich bin ein überzeugter Humanist und Kriegsgegner", sagt Hollywood-Superstar und Aktivist George Clooney.
"Ich bin ein überzeugter Humanist und Kriegsgegner", sagt Hollywood-Superstar und Aktivist George Clooney.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Hollywoodstar George Clooney über Optimismus, Weltpolitik, Technikhörigkeit und ob es stimmt, dass er sich nie schminken lässt – ein Interview.

London.. Nach einer Begegnung mit George Clooney, 54, ist man immer besser gelaunt als zuvor. Das liegt daran, dass das Charme-Monster, wie Julia Roberts ihren Herzensfreund nennt, nicht nur mit Ausstrahlung punktet, sondern auch mit Selbstironie und Witz. Zum Interview mit Ulrich Lössl im Londoner Nobelhotel kam Clooney in Jeans, T-Shirt und der schwarzen Lederjacke, die er wohl bei seinem neuen Film „A World Beyond“ abgestaubt hat. Darin ist er ein verbiesterter Erfinder, der sich mit ei­ner jungen Träumerin und einem Androiden-Mädchen aufmacht, die Welt zu retten.

Mr. Clooney, ist es schon so weit – Sie spielen jetzt in Kinderfilmen?

George Clooney: (Lacht) Sieht ganz danach aus. Aber ich würde „A World Beyond“ eher als einen Familienfilm bezeichnen.

Science Fiction Was war der Grund, warum Sie bei diesem Film mitspielen wollten?

Clooney: Im Drehbuch stand, ich sollte ei­nen Mann spielen, der 55 Jahre alt, verbittert und äußerlich etwas heruntergekommen wirken sollte, der seine beste Zeit längst hinter sich hat. Ich habe mir gedacht: Das trifft doch genau auf mich zu!

Haha!

Clooney: Okay, noch ist es nicht ganz so weit. Der eigentliche Grund, warum ich bei „A World Beyond“ mitmachen wollte, ist die positive Botschaft. Ich bin in den 60er-Jahren aufgewachsen, einer Zeit, in der Amerika viele ernste Probleme hatte: die Ermordung der Kennedy-Brüder und die von Martin Luther King, Rassenunruhen, der Vietnamkrieg. Und wir hatten große Angst vor der Atombombe. Aber zur selben Zeit gab es auch die Apollo-Mission und die Mondlandung. Es gab also auch Positives. Es war eben eine Frage der Perspektive, ob man sich von den Übeln in der Welt herunterziehen oder von den großen Leistungen beflügeln lassen wollte.

Das heißt, Sie waren schon immer ein optimistischer Mensch?

Clooney: Ich war nie ein Zyniker. Dabei ist Zyniker zu sein einfach. Da gilt man als einer, der den Durchblick hat. Aber für mich hat das Positive immer mehr Gewicht. Ich erinnere mich noch daran, wie in Cincinnati, Ohio, ein paar Skinheads auf dem Marktplatz Krawall machten. Und mein Vater, der als Nachrichtenmann beim TV arbeitete, sagte zu mir: „Natürlich muss man die Leute über so etwas informieren. Aber geh mal auf den Kirchturm und schau dir von oben die Krawallmacher an. Wie klein die dann werden. Man muss Dinge immer in der richtigen Relation sehen.“

Sind Sie deshalb in den letzten Jahren immer politischer geworden?

Clooney: Ich habe aus meinen Überzeugungen nie ein Hehl gemacht.

Nur wenige Stars verwenden Teile ihrer Millionengagen, um ein Frühwarnsystem zu finanzieren, das an der Grenze zwischen Süd- und Nord-Sudan die Kriegstreiber im Norden in Schach halten soll.

Clooney: Ich bin nun mal überzeugter Humanist und Kriegsgegner. Da musste ich Stellung beziehen, wenn seit Jahren in der Krisenregion Darfur ein Genozid stattfindet. Mir ist schon klar, dass wir den Kampf gegen Krieg, Ungerechtigkeit oder Umweltverschmutzung nie wirklich gewinnen können. Aber versuchen müssen wir es trotzdem.

Hochzeit Gingen in Ihrem Leben die meisten Träume in Erfüllung?

Clooney: Ich habe schon einige Träume platzen sehen, so ist das nicht. Aber die wirklich wichtigen Träume gingen in Erfüllung. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich einmal so ein schönes, erfolgreiches und erfülltes Leben haben würde. Und so eine wunderbare Frau wie Amal finden und sogar heiraten würde. Ich bin so glücklich wie noch nie.

Manche Kollegen sind sehr verblüfft, dass Sie vor der Kamera kein Make-up benutzen.

Clooney: Das habe ich mir von Spencer Tracy abgeschaut, der sich auch nie schminken ließ. Ich habe mich noch bei keinem meiner Filme schminken lassen. Und früher hat das kaum einer gemerkt. (Lacht) Doch jetzt in meinem Alter…

Sind Sie denn gar nicht eitel?

Clooney: Ich verbringe jeden Morgen zwei Minuten vor dem Spiegel. (Lacht) Beantwortet das Ihre Frage?

Vollkommen. Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Clooney: Ich wünsche mir, dass wir endlich mit unserer Technologiehörigkeit aufhören. Verstehen Sie mich nicht falsch, (zückt sein Handy) ich finde, diese Mobiltelefone sind eine sehr kluge und praktische Erfindung. Aber müssen wir ständig damit hantieren? Überall, wo ich gehe und stehe, starren Leute auf diese Dinger. Sogar im Restaurant. Dasselbe bei Konzerten. Da filmen die Leute das Konzert, statt es zu genießen. Irgendwann werden sie ihr ganzes Leben gefilmt haben und es sich in der Rückschau ansehen. (Lacht)