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Geld weg - Kunst weg?

16.10.2008 | 21:25 Uhr

Düsseldorf. Wie viel Kulturengagement ist bald noch von den Konzernen zu erwarten? Eine Debatte über die "Kultur-Macht-Staat".

Der Ruf nach dem Staat wird in den letzten Tagen auch in der Kultur lauter. Angesichts der weltumspannenden Finanzkrise und deren bislang unüberschaubaren Folgen auch für die Kulturszene, rufen die Künstler nach dem Staat. Selbst diejenigen, die vor kurzem noch, Arm in Arm mit Bankvorständen, über Kunstmessen schlenderten, um ihre Werke den Stiftungen der allmächtigen Wirtschaft schmackhaft zu machen. Erneut entbrennen die Verteilungskämpfe um die 8 Milliarden Euro, die Bund, Länder und Kommunen jährlich in die Förderung überwiegend der Hoch-Kultur pumpen. Soviel Steuergelder fließen in keinem anderen Land der Welt in Theater, Oper, Konzerte und Museen. Ist Kultur ein Staatsziel? Diese Frage stellte jetzt Claus Leggewie im Rahmen einer Konferenz zum Thema "Kultur-Macht-Staat" in Düsseldorf.

Eingeladen von Friedrich-Ebert-Stiftung und deren Kultursprecher Fritz Behrens (Ex-Justiz-Minister von NRW) diskutierten unter anderen SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft, Zirkus-Roncalli-Chef Bernhard Paul, Kunstberater Helge Achenbach und Kunst-Professor Mischa Kuball. Ob bei den Landtagswahlen in knapp zwei Jahren die Kulturfrage eine Rolle spielt, darüber wagt Hannelore Kraft keine Prognose. Die Auswirkung der momentanen Krise an den Finanzmärkten auf den Landeshaushalt sei derzeit noch nicht abzusehen.

Bald haben wir ganz andere Probleme

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"Möglich, dass wir 2010 ganz andere Probleme als die Höhe des Kulturetats haben und nicht über die Rolle des Staates sprechen müssen", meint die SPD-Chefin. Allerdings hoffe sie auf Anstöße aus der Kunst- und Kulturszene in den nächsten Monaten, in denen die Weichen für künftiges Engagement und Beteiligung des Staates gestellt würden. Kultur bleibe aber Aufgabe von Land und Kommunen. Letztere müssten die Infrastrukturen garantieren. Darin sind sich Kraft, Leggewie und Achenbach einig. Doch bei den Inhalten solle sich der Staat ebenso wie Wirtschaftsunternehmen zurückhalten, fordert Leggewie mit Nachdruck.

"Die Deutsche Bank wird ihre Kunst-Projekte in den nächsten zwölf Monaten zu Ende bringen, danach ist alles unklar", weiß Achenbach. Das dürfte ebenso für andere privatwirtschaftliche Kulturpartnerschaften gelten. Klartext: Nur bei florierenden Börsen und Unternehmensgewinnen könne man mit Zuschüssen und Sponsoring rechnen. Kultur-Engagement von Konzernen sei demnach nicht dauerhaft verlässlich.

Egal ob Staat oder freie Wirtschaft: Beide müssen neutral fördern, dürfen sich inhaltlich nicht einmischen. Das verlangen Kuball und Leggewie einmütig und wissen vermutlich beide, dass die Wirklichkeit nur selten der reinen Lehre folgt. Doch wer auch immer zahlt: Angesichts der Finanzkrise prophezeit der Kulturwissenschaftler für die kommenden Jahre eine Periode der "Arte Povera". (NRZ)

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Michael-Georg Müller

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