Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Kino

Geheimnisverrat? Film über Bin-Laden-Jagd wird zum Politikum

04.01.2013 | 18:54 Uhr
Geheimnisverrat? Film über Bin-Laden-Jagd wird zum Politikum
Die Schauspielerin Jessica Chastain im neuen Streifen Zero Dark Thirty.

Washington.   Triumph über den Terror oder Folterspuren an den Händen einer vermeintlich überlegenen Kultur? Offenbar schließt sich das nicht aus. Der Film „Zero Dark Thirty“ erzählt von den US-Methoden, dem Terror beizukommen und ist somit auch wegen der geschilderten Details ein Politikum.

Nach der Sex-Affäre von CIA-Chef David Petraeus durfte sich der zweite Mann in Langley, Michael Morell, Hoffnung auf die Führungsrolle im amerikanischen Auslandsgeheimdienst machen. Der kontroverseste, Oscar-verdächtigste und aufrüttelndste Hollywood-Film der Jahre 2012/2103 könnte ihm jetzt die Krönung der beruflichen Karriere vermasseln.

In „Zero Dark Thirty“, der in den USA flächendeckend in der kommende Woche und in Deutschland Ende Januar in die Kinos kommt, zeichnen Regisseurin Kathryn Bigelow und Drehbuch-Autor Mark Boal in einem Mix aus Dokumentation und Thriller die zehn Jahre währende Jagd auf El Kaida-Chef Osama Bin Laden nach. Bis zum tödlichen Ende des Terrorfürsten Anfang Mai 2011 im pakistanischen Abottabad, das in dem fast dreistündigen Epos als nervenaufreibender 30-minütiger Showdown inszeniert wird.

Durch höchste Sicherheitskreise rekonstruiert

Weil sich die Filmschaffenden zu Gute halten, die Anatomie der Bin Laden-Hatz auf Grundlage von Tatsachen mit vielen Details durch höchste Sicherheitskreise rekonstruiert zu haben, sorgen vor allem die ersten Minuten des Films für Aufsehen. Dort wird gezeigt, wie es ist, wenn Amerika sich der Methoden des Bösen bedient, um das Böse zur Strecke zu bringen. Ammar, ein Gefangener der CIA, wird abscheulich gefoltert, bis er schließlich den Namen jenes Kuriers nennt, der später in der Realität wie im Film eine hartnäckige Agentin auf die Spur Bin Ladens bringt.

Seit die Folterszenen in New York und Los Angeles bekannt sind, tobt ein heftige Debatte auf mehreren Ebenen. Heißen die Filmemacher diese Methoden am Ende gut? Und stimmt die Botschaft, dass der Massenmörder vom 11. September 2001 nur durch Hilfe von Quälereien dingfest gemacht werden konnte?

Manche wittern „Geheimnisverrat“

Wer den Film hinter sich gebracht hat, kann die erste Frage verneinen. Bigelow und Boal zeigen, was Folter ist. Der Zuschauer leidet mit dem Opfer. Was den zweiten Aspekt angeht, schien die Faktenlage eigentlich klar zu sein. In mehreren Büchern wird der Nachweis geführt, dass die CIA im Nachgang zu 9/11 regelmäßig Waterboarding, Schlafentzug und gewaltsame Demütigungen eingesetzt hat, um Terrorverdächtigen die Zunge zu lösen. Gerichtverfahren haben die Vorwürfe bestätigt. Zuletzt hatte CIA-Direktor Michael Morell eingeräumt, das manche Hinweise über den Aufenthaltsort bin Ladens von Gefangenen gekommen sind, die Folter ausgesetzt waren. Einflussreichen Senatoren im US-Kongress geht diese Freimütigkeit zu weit. Sie wittern Geheimnisverrat und werfen der Produktionsfirma Sony Pictures „faktisch falsche und grob irreführende“ Arbeit vor.

Hat Morrell Hollywood hinter die Fichte geführt, sich zu wichtig gemacht? Der kommissarische Chef der CIA, der mit Billigung von Verteidigungsminister Leon Panetta mehrfach mit Bigelow und Boal über Interna des Nacht-und-Nebel-Einsatzes gegen Bin Laden gesprochen hat, machte vor kurzem einen Befreiungsversuch. „Zero Dark Thirty“ sei eine „Dramatisierung“, sagte er, und „kein realistisches Porträt“ der Ereignisse. Die CIA habe mit den Filmemachern zusammengearbeitet – „aber auf das Endprodukt keinen Einfluss“.

Dirk Hautkapp



Kommentare
Aus dem Ressort
Lars von Trier bricht beim Filmfest Venedig sein Schweigen
Festspiele
Nach seinem "Nazi"-Eklat beim Filmfest Cannes 2011 will Regisseur Lars von Trier nicht mehr vor großem Publikum sprechen. Ganz ohne kann der Däne aber auch nicht - wie sein bizarrer Auftritt in Venedig beweist. Über einen Computerbildschirm zugeschaltet beantwortete er drei Fragen per Telefon.
Gelungenes Musical über die Fortuna und Düsseldorf
Musical
Stehende Ovationen. Eine herbei applaudierte Verlängerung. Eine hervorragende Leistung der Chöre. Ein Theatersaal, in dem die Stimmung auf den Rängen der eines Stadion-Blocks gleicht. Kurzum: Eine überzeugende Uraufführung des Düsseldorfer Musicals „95 Olé - Heimspiel.“ Ein Besuch lohnt sich.
Bob Geldof kämpft in Iserlohn für Afrikas Schwache
Bob Geldof
Hunderte Millionen hat Musiker und Aktivist Bob Geldof bereits für Afrika gesammelt. Doch der 64-Jährige ist keineswegs fertig. Er kämpft für die Schwachen - und poltert immer wieder gegen die Mächtigen. Anfang September kommt er zum Campus Symposium nach Iserlohn.
HG. Butzko hat im neuen Programm die „Super Vision“
Kabarett
Von Klamotte und Comedy ist HG.Butzko weit entfernt. Der gebürtige Gelsenkirchener steht für gnadenloses Polit-Kabarett. Er setzt auf Analyse des täglichen Wahnsinns in Politik und Wirtschaft - und dennoch kriegt sein Publikum reichlich Spaß. In Duisburg stellte er jetzt sein neues Programm vor:...
So lacht das Revier - Hennes Benders Sternstunden der Komik
Comedy
Hennes Bender greift komödiantisch nach den Sternen, bleibt aber trotzdem auf dem Boden der Tatsachen: Der Bochumer Komiker geht in seinem Programm auch als Star Wars Stormtrooper auf die Bühne. Wir sprachen mit ihm Humor im Weltall und im Ruhrgebiet.
Umfrage
Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken. Es geht um Lohnerhöhung und kürzere Arbeitszeit. Haben Sie Verständnis?

Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken. Es geht um Lohnerhöhung und kürzere Arbeitszeit. Haben Sie Verständnis?

 
Fotos und Videos
Kitesurfer holen Guinness-Rekord
Bildgalerie
Wassersport
So verrückt war die Luftgitarren-WM
Bildgalerie
Wettbewerb