Gaudi mit Gauklern
21.04.2008 | 17:36 Uhr 2008-04-21T17:36:00+0200
Ihre besten Zeiten haben die Mittelaltermärkte lange hinter sich – schließlich gab es nie mehr davon als im 12. und 13. Jahrhundert. Aber auch heute noch mobilisieren gekreuzte Klingen, betörender Minnesang und Kuriositätensammlungen tausende Besucher.
Am Wochenende startet die Festival-Saison mit dem „Phantasie Spectaculum” im Gelsenkirchener Revierpark Nienhausen und dem „Mittelalterlichen Frühlingsfest” im Rahmen des Westfalenmarktes in Unna (Innenstadt) – weitere Spektakel folgen.
Allein in Gelsenkirchen, wo eines der größten Spektakel seiner Art stattfindet, werden über 700 Mitwirkende in rostigen Rüstungen, güldenen Gewändern und wollener Wäsche das Festivalgelände – im wörtlichen Sinne – bevölkern: Ritter, Vagabunden, Handwerker, Händler, Edelfrauen, Gaukler und Musiker.
Gelsenkirchen: „Phantasie Spectaculum”, 26.4. & 27.4., Revierpark Nienhausen, Infos und Preise auf www.spectaculum.de
Unna: „Mittelalterliches Frühlingsfest”, 26.4. & 27.4., Alter Markt, www.burgenmarketing.de
Xanten: „Siegfriedspektakel”, 30.4. bis 4.5., Wallgrabenzone, Info unter www.xanten.de
Solingen: „Die Georgs-Ritter kommen”, 1., 3.-4., 10.-12.5.,Schlossplatz, www.schlossburg.de
Mülheim: „Pfingst-Spectaculum mit historischem Markt”, 10.-12.5., Schloss Broich, Infos auf www.burgenmarketing.de
Dortmund: „Phantasie Spectaculum”, 28. & 29.6., Freizeitpark Fredenbaum.
Köln: „Phantasie Spectaculum”, 2. & 3.8., Fühlinger See, Preise & Zeiten (auch zu Dortmund): www.spectaculum.de
Herne: „Schlossfest Strünkede”, 15. & 16.9., Infos auf www.suendenfrei.de
An über 100 Ständen demonstrieren Spielzeugmacher, Schmiedemeister, Glasbläser, Steinmetze und Korbmacher ihre Fähigkeiten und bieten all das an, was die Menschen des 13. Jahrhunderts so zum Leben hatten – oder gerne gehabt hätten: Mittelalter-Schmuck, Mittelalter-Hüte, Mittelalter-Waffen, mittelalter Gouda …
Für Miniritter gibt es ein eigenes Turnierfeld und Strohspielplätze, außerdem warten Puppentheater, Zauberer und Märchenerzähler an den gemütlichen Heereslagerplätzen auf die Junior-Junker.
Von dieser Idylle jedoch sollte sich niemand täuschen lassen, denn auch Angst und Schrecken hatten im Mittelalter viele Gesichter: Eines davon gehört dem Hässlichen Hans, der sich als triefäugiger Bettler der Besucherbelästigung widmet. Und auch einer anderen Fratze der Vergangenheit werden die Besucher am Samstag noch begegnen: Dann wird nach Einbruch der Dunkelheit „Der schwarze Tod” manch arme Seele dahinraffen. Aufgelesen werden die Opfer später im Fackelschein eines Umzugs, der so gruselig ausfallen soll, dass selbst hartgesottenen Spöttern das kecke „Trari, trara, die Pest ist da!” im Halse stecken bleibt.
Selbstverständlich wird auf dem Festivalgelände auch kräftig gekämpft, nicht nur mit Klingen: Beim Bruchenball muss ein bis zu 140 Kilo schweren Kuhhautklops in den Torkreis der gegnerischen Mannschaft gerollt werden.
Auch musikalisch soll das Wochenende im Revierpark wieder ein echtes Spectaculum werden: Bands wie Die Streuner, Saltatio Mortis (Mittelalterrock mit Dudelsack) und die Frivolitätenfreunde Duivelspack sorgen für einen Klangmix aus den größten Hits des 11., 12. und 13. Jahrhunderts und dem Besten von heute. Dass auch heftig-deftig gespeist und Gerstensaft wie Honigwein zugesprochen werden darf, versteht sich fast von selbst. Ganz egal, ob das Geschehen nun authentisch ist oder nicht: Es steht schließlich „Phantasie Spectaculum” drauf und nicht „Historisches Seminar”.
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