Gasometer Oberhausen zeigt "Wunder der Natur" mit Riesen-Globus

Foto: Gasometer Oberhausen/Thomas Wolf
Was wir bereits wissen
"Wunder der Natur" heißt die neue Schau im Gasometer Oberhausen. Blickfang ist eine imposante, ehrfuchtgebietende Erdkugel von 20 Metern Durchmesser.

Oberhausen.. Es dürfte das Fotomotiv des Jahres im Ruhrgebiet sein: Eine imposante, ehrfuchtgebietende Erdkugel von 20 Metern Durchmesser, die frei im Raum zu schweben scheint. Wer an der Treppe zur dritten Gasometer-Ebene steht und hochguckt, wird erleben, dass auch Unterkiefer manchmal der Gravitationskraft schutzlos ausgeliefert sind.

Genau das will die neue Schau "Wunder der Natur" im höchsten Ausstellungshaus Europas, die an diesem Freitag, 11. März, beginnt: staunen machen, Ehrfurcht wecken. Vor unserem Planeten. Und vor dem, was wir so gerne ahnungslos Natur nennen, was aber oft noch sehr viel ausgefuchster und komplizierter ist als jede menschliche Erfindung: „Erst wenn wir begreifen, wie genial biologische Systeme sind“, zitiert Ausstellungskurator Peter Pachnicke den Zukunftsforscher Robert Jungk, „werden wir lernen, das Leben der Pflanzen und Tiere faszinierender zu finden als alle Innovationen der Technik“.

Jagen und Gefressenwerden

Die Pflanzen und Tiere vom Buckelwal-Kalb bis zum Flohkrebs-Weibchen, das den Hollywoodregisseur Ridley Scott zu seinem riesigen Alien-Monster inspiriert hat. Es sind Hingucker-Fotos von einigen der weltbesten Naturfotografen. Aber was mindestens ebenso faszinierend ist, sind die Gründe, warum die Bilder ausgestellt werden – die Naturgeschichten hinter all den großartigen Farben, den bizarren, eleganten, imposanten Formen. Wie Makrelen in der Zeit der Planktonblüte im Schwarm durchs nahrhafte Wasser vor den Azoren pflügen, so dass sie wirken wie ein See-Ungeheuer – und wie wenig sie das davor schützt, von den Delfin-Rudeln gejagt zu werden, die sie gemeinschaftlich an die Wasseroberfläche treiben, wo sie dann auf der Flucht vor den herabstürzenden Gelbschnabel-Sturmtauchern auseinanderstieben – und den Delfinen ins offene Maul schwimmen . . .

Wunder der Natur Das Jagen und Gefressenwerden ist in den Jahrmillionen der Evolution auf der Erde ein steter Motor für immer neue Tricks, Erfindungen, Innovationen der Natur, ein ewiges Hase-und-Igel-Rennen, manchmal auch zwischen Springböcken und Geparden, zwischen Adlern und Erdmännchen auf Wachtposten, zwischen Kolibri und Viper, zwischen Bienen und Totenkopfschwärmer-Schmetterlingen, die den fleißigen Pollensammlern, perfekt getarnt durch Bienenstockfarben und einen vertrauten Geruch, unbehelligt die Honigvorräte wegfressen.

Beim kleinsten Wesen aber, das hier auf einer der 150 XXL-Fototafeln abgebildet und erläutert ist, handelt es sich um das Ei eines Bärtierchens. Wer mit Bärtierchen noch keine Bekanntschaft gemacht hat, erfährt hier allemal, dass sie kurze Beine haben, 0,1 bis 1,5 Millimeter groß sind und von der Arktis bis zu den Tropen und sogar in der Tiefsee vorkommen; sie können jahrelang in einer Trockenstarre ohne jedes Anzeichen von Leben überdauern, erwachen aber binnen Minuten zum Leben, wenn sie mit Feuchtigkeit in Berührung kommen. Sie überstehen Hitze über 100 Grad, harte Ultraviolett- und Röntgenstrahlung. Und Exemplare, die man bei einer Spaceshuttle-Mission gar der energiereichen kosmischen Strahlung im All ausgesetzt hatte, erwachten, kaum dass sie auf der Erde zurück waren, wieder zum Leben.

Die Erde bei Nacht, bei Tag, mit Eis

Wie Astronauten aber können sich die Besucher des Gasometers bis zum Ende des Jahres fühlen: Zu Klängen, die der Soundtüftler Brian Eno 1983 zur Vertonung der Filme von der Apollo-Mission schuf betrachten sie die 20-Meter-Erd­e.

Dass sie sich zu drehen scheint, ist Täuschung: Aus zwölf Projektoren werden zusammengerechnete Satellitenbilder auf die ursprünglich weiße Kugel geworfen. Bilder von den Metropolen-Lichtern auf der nächtlichen Erde, von ziehenden Wolken, von Nebeln und Eisbildung der Arktis. Man sieht im gläsernen Aufzug bis zur zehnten Etage die Erde immer kleiner werden. Und bekommt eine Ahnung davon, wie gefährdet das perfekt ausbalancierte Gleichgewicht der Natur auf dem blauen Planeten da unten ist.

Mehr Infos zum Gasometer gibt es hier.