"Für immer Adaline" - Nicht altern bringt auch nur Ärger

Zur Verwunderung seiner Frau Kathy (Kathy Baker, M.) erkennt William (Harrison Ford) Adaline (Blake Lively) wieder.
Zur Verwunderung seiner Frau Kathy (Kathy Baker, M.) erkennt William (Harrison Ford) Adaline (Blake Lively) wieder.
Neu im Kino: „Für immer Adaline“ mit Blake Lively und Harrison Ford erzählt eine schier unglaubliche Geschichte um den Fluch ewiger Jugend.

Essen.. Adaline Bowman ist nicht wie andere Frauen. Andere Frauen altern, bekommen Falten, leiden darunter, dass sie mehr und mehr welken. Adaline aber, die im Stadtarchiv von San Francisco arbeitet, altert schon seit geraumer Zeit überhaupt nicht mehr. Sie hat die 100 inzwischen deutlich überschritten, ist aber mit 29 Jahren aus dem Alterungsprozess ausgestiegen. Die Einzige, die davon weiß, ist ihre Tochter Flemming (Ellen Burstyn), die inzwischen auch schon 82 echte Jahre zählt.

Zunächst einmal misstraut man dem Film von Regisseur Lee Toland Krieger. Die Erklärung des Ewig-Jung-Phänomens (Autounfall, Eiswasser, Nahtod, Blitz-Defibrillator) hört sich mehr als holprig an. Und wie Adaline, Jahrgang 1908, dann durch die Jahrzehnte gejagt wird, glaubt man einer Modenschau beizuwohnen – schöne Kleider an Blake Lively („Gossip Girl“) vor schicken Dekors.

Aber dann entwickelt sich der Film allmählich doch, weil die ausbleibende Alterung für die Betroffene immer weniger erstrebenswert scheint. Alle zehn Jahre muss sie ihren Wohnort und ihren Namen ändern, um nicht weiter aufzufallen und um nicht alten Bekannten über den Weg zu laufen. Es wird, bis auf die wechselnden Hunde, einsam um diese Frau, denn sie vermeidet nach Möglichkeit jeden tiefergehenden Kontakt.

Doch mit dem charmanten Ellis Jones (Michiel Huisman), auf den sie bei einer Silvesterparty trifft, ändert sich ihr Leben völlig. Ohne an morgen zu denken, lässt sie sich auf diesen Mann ein und fährt mit ihm sogar zu seinen Eltern, die ihren 40. Hochzeitstag feiern. Bringt man dem Film bereits sehr viel mehr Sympathie entgegen als zu Anfang, so beginnt man ihn nach der Begegnung mit dem alten Ehepaar Jones fast zu lieben. Denn nun ist der betagte Harrison Ford nach mehr als einer Stunde endlich aufgetaucht und steht fassungslos vor der Freundin seines Sohnes. Er hatte mit Adaline einst eine enge Beziehung, bei der die Unsterbliche irgendwann die Reißleine zog. Doch sie kann noch so sehr beteuern, nur die Tochter zu sein – Jones entdeckt doch viele Kleinigkeiten, die ihn sicher machen, seine einstige Flamme vor sich zu haben.

Lange Ehe, aufblitzende Zweifel

Man sieht Adalines Schicksal nun mit anderen Augen, Ford gibt dem Ganzen eine völlig neue, viel tiefer gehende Note. Der so lange schon mit Kathy (Kathy Baker) verheiratete Mann beginnt angesichts seiner alten Liebe, zumindest für Momente sein bisheriges Leben infrage zu stellen. Und die Hymne, die er später vor Gästen auf seine Ehefrau singt, mag ehrlich gemeint sein und Vertrautheit signalisieren, aber Harrison Ford schafft es, trotz aller Innigkeit, leichte, sichtbar gut versteckte Zweifel aufblitzen zu lassen. Angesichts dieser schauspielerischer Leistung verzeiht man dann auch gern das Ende, das lange absehbar und um keinen Deut glaubhafter ist als der Anfang.

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