Frühlingsgefühle

Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte. Und darauf ein dreifach donnerndes Hatschi! Denn mit den linden Winden machen sich auch die Pollen breit. Das soll uns aber nicht weiter ärgern, denn endlich, endlich geht es nach draußen, und zwar ohne Expeditionsausrüstung aus Handschuhen, Mütze und Stiefeln.

Und so kommt der liebe Mai und macht nicht nur die Bäume grün, sondern allenthalben werden die Rasenmäher angeworfen, und die fleißigen Gärtnerinnen klopfen und hacken mit den Spechten um die Wette beim Pflanzen, Säen, Umtopfen und Jäten.

Der Lenz grüßt mit Blessuren

Wen der Lenz grüßt, der trägt derzeit seine Blessuren wie Frühlingstrophäen stolz vor sich her. Rückenschmerzen vom Fegen und in die Ecken krabbeln, um dort die letzten Überreste des Winters in Form von vertrocknetem Laub und versprengtem Vogelfutter hervorzukratzen, darüber wird sich keine Landfrau ärgern. Denn es ist so viel besser, wenn die Bandscheiben im Sonnenschein wimmern, als dass sie beim Schneeschippen knirschen.

Blasen an den zarten Händen, weil die nach dem langen Winter den Umgang mit Spaten und Rechen verlernt haben? Das zeigt wenigstens, dass man in Bewegung bleibt. Die ersten Sommersprossen sprießen mit den Knospen um die Wette, und wenn man sich zwischendurch mit der Hand im Kreuz mal stöhnend reckt, bewundert man ein jährlich sich erneuerndes beglückendes Naturschauspiel: Die Hecken und Wälder schäumen über vor weißen Blüten.

Natürlich hat auch das Moos so seine Frühlingsgefühle und weicht keinen Millimeter vom Platz, egal wie sehr man kratzt und schabt. Hausmittelchen werden über den Gartenzaun ausgetauscht, ich probiere es demnächst ebenfalls einmal mit Sodalauge und gucke, ob sich dieser eher unerwünschte Teil der Flora dem Rezept beugt.

Das Wildkraut steht im Saft

Der Spargel wächst, und im Giersch schießt der Saft, jenes Wildkraut, das in der modernen Bioküche derzeit eine kleine Karriere macht, das ich persönlich aber weder im Garten noch im Kochtopf schätze.

Und wofür die ganze Mühe? Abends holt man stolz die Gartenmöbel hervor und blickt über sein kleines Reich. Läuft noch schnell los, um den Rhododendron zu düngen und die Hortensien zu besprechen, damit sie hoffentlich herrlich und reichlich blühen werden. Aber das allerschönsten sind einfach die linden Lüfte. Nach der Arbeit noch eine Stunde draußen werkeln, das entspannt besser als jeder Yoga-Kurs, das hatte man über den Winter völlig vergessen. Und so soll es jetzt bis mindestens Oktober bleiben. Denn um mit Ludwig Uhland zu sprechen: „Die Welt wird schöner mit jedem Tag, man weiß nicht, was noch werden mag, das Blühen will nicht enden.“