Moderne Tramper sind im Internet gut miteinander vernetzt

Ein Pappschild zeigt, wohin die Fahrt gehen soll.
Ein Pappschild zeigt, wohin die Fahrt gehen soll.
Foto: Oliver Müller/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Foren, Wikis, Blogs – Tramper geben sich im Internet Tipps und tauschen Erfahrungen aus. Sogar ein Verein will das Trampen als Trend populärer machen.

Essen.. „Trampen ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Eine starke Behauptung, die der Tramper-Verein Abgefahren e. V. auf seiner Homepage platziert. Ob sie stimmt, lässt sich aber nur schwer prüfen. Zahlen über Anhalter erheben weder der Verein noch die Polizei. Klar ist aber: Trampen hat sich seit den 1960er Jahren, der Hochzeit des Daumen-Express', stark verändert.

Der Grund dafür ist wie so häufig das Internet. Der Blick auf Foren, Wikis, Blogs und die Sozialen Netzwerke zeigt: Zwar stehen die Tramper von heute genauso mit Pappschild am Straßenrand wie früher, darüber hinaus sind aber gut vernetzt. Sie tauschen sich über ihre Erfahrungen aus, geben sich gegenseitig Tipps oder schließen sich zu Reisegemeinschaften zusammen.

Eine neue Internetplattform für Tramper ist beispielsweise Trust Roots. Dabei handelt es sich um ein englischsprachiges Netzwerk, das Reisenden die Suche nach Unterkünften erleichtern soll. Die Community ist dabei insbesondere auf die Bedürfnisse von Trampern ausgerichtet.

Reisen ohne genauen Zeitplan

Frei übersetzt heißt es dort: „Wenn man per Anhalter reist, macht es Sinn, in der Tramper-Community nach Gastgebern zu suchen. Jemand, der selbst trampt, wird besser verstehen, dass ein Reisender die genaue Ankunftszeit nicht voraussagen und auch mal mitten in der Nacht auftauchen kann.“

Bisher ist Trust Roots lediglich als Betaversion verfügbar, die Anzahl der Nutzer in Deutschland überschaubar. Rund 140 Community-Mitglieder, die Trampern einen Schlafplatz zur Verfügung stellen, sind deutschlandweit registriert. Doch auch, wer ein Bett – oder eher: eine Couch – in anderen Ländern oder auf anderen Kontinenten sucht, kann bei Trust Roots fündig werden. Casablanca? Buenos Aires? Bangkok? Melbourne? Da muss man lange trampen.

Meisterschaft für Tramper

Reise Verschiedene Projekte rund ums Trampen sind im Verein "Abgefahren e. V" gebündelt. Rund 250 Mitglieder zählt der Tramper-Verein. Sie kommen aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarländern und haben sich zum Ziel gesetzt, das Trampen wieder populärer zu machen. „Es gibt sehr viele Netzwerke, Aktivitäten und Veranstaltungen, die mit dem Trampen zu tun haben“, sagt Jona Redslob, Sprecher des Vereins.

Ein Beispiel für die Vereinsarbeit von Abgefahren ist die Deutsche Meisterschaft im Trampen. Seit 2008 veranstaltet der Verein das Rennen einmal im Jahr. An Pfingsten startet die Deutsche Meisterschaft 2015 in Cottbus. Das Ziel für die zweiköpfigen Teams bleibt bis kurz vor dem Rennen geheim.

Die besten "Spots" für Tramper

Die Internetseite hitchbase.com, eine ehemaliges Projekt des Vereins Abgefahren, bietet eine weltweite Liste über die besten Stellen zum Mitgenommen-Werden, sogenannte Spots. Sie sind nach Ländern und Städten geordnet. 472 Spots sind für Deutschland eingetragen. Die Nutzer können selbst Orte hinzufügen oder bestehende Spots bewerten und Einträge kommentieren. "Super gut" sei demnach zum Beispiel die Herner Straße in Bochum direkt an der Auffahrt zur A 43. Die gleiche Bewertung bekommt die Haltestelle "Töpferstraße" der Linie 105 in Essen. Der Nachfolger von hitchbase.com heißt hitchwiki.org.

Wissenschaft Eine andere Internetplattform für Tramper ist hitchlog.com. Enschede – Berlin, 505 Kilometer oder auch Krakau – Idanha-a-Nova, 4843 Kilometer: In dem virtuellen Logbuch tragen die registrierten Nutzer nicht nur ihre Anhalter-Fahrten ein, sondern können gleichzeitig auch über ihre Erlebnisse berichten.

Auf den Profilseiten eines Nutzers lässt sich unter anderem ablesen, wie viele Kilometer er schon getrampt ist oder wie viele Fahrten er gemacht hat. Eine Weltkarte zeigt, auf welchen Teilen der Erde der Nutzer schon per Anhalter unterwegs war. Ein Tortendiagramm gibt Auskunft darüber, welchen Anteil der Fahrten er allein oder mit Mitreisenden angetreten ist.

Die meisten Tramper machen positive Erfahrungen

Zudem kann der registrierte Tramper markieren, wie positiv oder negativ er die Fahrt empfunden hat. Der überwiegende Teil aller eingetragenen Trips sind sehr positiv oder positiv bewertet. Doch die Kommentare zu den wenigen negativen Fahrten machen klar: Ganz ohne Risiko ist das Trampen nicht.

Da berichtet eine weibliche Tramperin, dass ein Mann sie in einen Wald, statt in die nächste Stadt fuhr. „Luckily he understood what NO means, and drove me back to the main road“, schreibt sie, was soviel bedeutet wie: Zum Glück verstand er, was NEIN bedeutet, und fuhr mich zurück zur Hauptstraße. Ein anderer Nutzer beklagt sich darüber, dass sein Fahrer mit seinem Gepäck im Kofferraum davonfahren wollte und ihm hinterher das Portemonnaie fehlte.

Ferien Auch Martina Bauer hat bereits negative Erfahrungen beim Trampen gemacht. Die 24-jährige Wahl-Mülheimerin studiert in Duisburg und ist viel in der ganzen Welt unterwegs. Dabei greift sie meist zu günstigen Reisemethoden wie Couchsurfing, Mitfahrzentrale – oder eben das Trampen. „Ein richtiger Tramp-Experte bin ich aber nicht, sondern habe das nur ein-, zweimal ausprobiert“, sagt sie.

Bei einem Trip von Greifswald nach Mannheim habe zunächst auch alles gut geklappt. Erst hätte sie ein älterer Mann mitgenommen, dann zwei junge Typen. Danach sei Martina bei einem Lkw-Fahrer eingestiegen. „Der hat schon so komische Andeutungen gemacht und sagte, bei anderen würde ich schon längst hinten auf einer Matratze liegen“, erinnert sie sich an die bedrohliche Situation. „Passiert ist damals zum Glück nichts, aber ich habe dann auch schnell darum gebeten, auszusteigen.“

Für Jona Redslob sind solche Ereignisse eine Ausnahme. „Viele haben die Vorstellung, dass Trampen sehr sehr gefährlich ist, egal ob man selbst trampt oder ob man fremde Leute mitnimmt“, weiß er. Wer selber per Anhalter reise, mache aber die Erfahrung, dass die Risiken viel geringer seien als angenommen.

Polizei rät, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen

Zahlen über Kriminalfälle, die im Zusammenhang mit dem Fahren per Anhalter stehen, erhebt auch die Polizei nicht. Ihre Empfehlung für Tramper: „Kurzer Blick auf das Auto: Macht es einen verkehrstüchtigen Eindruck? Kfz-Kennzeichen merken, am besten jemanden per SMS oder telefonisch über das Trampen, das Kfz-Kennzeichen und die Fahrstrecke informieren“, teilt sie auf Anfrage mit. Und ganz wichtig: „Im Zweifel auf das Bauchgefühl hören und lieber nicht einsteigen.“

Genau das würde auch Martina Bauer bei ihrem nächsten Trip per Anhalter machen. Denn ausschließen, dass sie trotz ihrer negativen Erfahrungen noch einmal trampen würde, will sie nicht. „Allerdings dann nur mit jemandem zusammen", schränkt sie ein. Die positiven Erfahrungen – nette, interessante, spannende Menschen kennenlernen – könne sie statt beim Trampen aber genauso gut bei Fahrten mit der Mitfahrzentrale sammeln.