Freier Eintritt ins Museum Folkwang

Essen.. Das Museum Folkwang wird zum Vorreiter in der deutschen Museumslandschaft. Ab sofort ist der Eintritt ins Museum an allen Öffnungstagen der Woche kostenlos. Die Essener Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die bereits den noblen Museums-Neubau durch den britischen Star-Architekten David Chipperfield mit 55 Millionen Euro ermöglicht hat, fördert das Projekt in den kommenden fünf Jahren mit einer Million Euro. Mit dem Geld werden die Einnahmen ausgeglichen, die der Stadt Essen entgehen. Das Museum Folkwang ist damit das bundesweit erste Museum dieser Größenordnung, das den von Berlin bis München immer wieder kontrovers diskutierten Schritt wagt. Das Angebot gilt für die ständige Sammlung und alle Wechselausstellungen im Bereich Grafik, Fotografie und Plakat. Allein die Sonderschauen bleiben von der Kostenlos-Regelung ausgeschlossen.

Internationaler Paukenschlag

Mit diesem Paukenschlag dürfte die Krupp-Stiftung international für Aufmerksamkeit sorgen – und die damit stets verbundene Debatte um den „Wert“ eines Museumsbesuchs neu entfachen. Die meisten Ausstellungshäuser beschränken ihr kostenloses Angebote bislang auf bestimmte Tage und Altersgruppen; auch in Essen hatte man das Museum nach längerem Vorlauf zunächst an jedem dritten Samstag im Monat mit Hilfe von Sponsoren eintrittsfrei gemacht.

Überglücklich zeigte sich Folkwang-Chef Tobia Bezzola gestern über die großzügige Entscheidung der Krupp-Stiftung, mit der das Museum Folkwang nun eine nationale Sonderposition einnimmt. „Die Menschen können das Angebot jetzt anders und öfter nutzen: spontaner, gelassener, zwangloser. Auch mal nach Feierabend oder vor dem Samstagseinkauf mit der Familie“, hofft Bezzola, der auch gleich damit wirbt, dass das Museum doch „alle vier Wochen etwas Neues zu bieten hat“.

Bislang haben vor allem britische Nationalmuseen wie die Tate Modern den komplett freien Eintritt eingeführt. Dort haben sich die Besucherzahlen anschließend mehr als verdoppelt. Mit London möchte man sich nicht auf eine Stufe stellen, dort sei das Gros der Besucher vor allem Touristen, sagt Bezzola. Gleichwohl setzt man auf eine deutliche Steigerung der Besucherzahl, die zuletzt bei einer Viertelmillion lag.

„Kunst ist kein Luxus“

„Wir erhoffen uns, dass noch mehr Menschen dieses wunderbare Haus und seine Kunst besuchen -- auch solche, die vielleicht noch nie ein Museum betreten haben. Und vor allem Schulklassen“, sagt die Kuratoriumsvorsitzende Ursula Gather, die von einem „großen, durchaus spannenden Experiment der deutschen Museumslandschaft“ spricht. Die Entscheidung stehe in bester Tradition der Krupp-Stiftung, „Kunst und Kultur für alle zu ermöglichen“. So habe auch der 2013 verstorbene Krupp-Patriarch Berthold Beitz den Neubau des Museum Folkwang als „Geschenk an alle Bürger“, verstanden. „In diesem Sinne fahren wir fort“, so Gather. Und angesichts der Gesamtfördersumme von 68 Millionen Euro, die bislang von der Krupp-Stiftung ins Museum Folkwang gesteckt wurde, dürfte sich manches Haus in nah und fern einen ähnlichen Mäzen herbeiwünschen.

Bei der Stadt Essen, die zuletzt einräumen musste, dass die ­millionenschweren Instandhaltungsrücklagen fürs Museum Folkwang in den Topf fürs Essener Rot-Weiss-Stadion umgeleitet worden waren, zeigte man sich ebenfalls begeistert. „Kunst ist kein Luxus. Kunst sollte für jeden zugänglich sein“, erklärte Oberbürgermeister Reinhard Paß. Ab heute gilt die Einladung für alle.