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Fräulein Berbens Gespür für die Liebe

04.12.2011 | 20:50 Uhr
Fräulein Berbens Gespür für die Liebe

Berlin.  Die Schauspielerin Iris Berben spricht über ihre Liebeskrisen und "Liebesjahre" - ihren fulminanten neuen Film. Und sie erklärt, warum "Fräulein Berben" ihr als Anrede lieber ist als "Frau Berben". Sich selbst würde sie als einen chinesischen Schrank beschreiben.

Iris Berben hat Paul mitgebracht, den Hund an ihrer Seite. Paul bekommt Wasser, Berben Ingwertee. Sie schwört darauf. Und wer diese 61-Jährige sieht, möchte ab sofort eimerweise Ingwertee trinken. Julia Emmrich traf die Schauspielerin am Berliner Gendarmenmarkt und sprach mit ihr über Liebeskrisen und „Liebesjahre“ – den fulminanten neuen Berben-Film (Montag, ZDF 20.15 Uhr).

Hallo Frau Berben. Nein, falsch: Sie wollen ‚Fräulein Berben’ genannt werden, oder?

Iris Berben (lacht): Ja, ich mag dieses ‚Fräulein’. Ich halte mich wirklich für eine emanzipierte Frau, aber ich bin traurig, dass das ‚Fräulein’ verschwunden ist. ‚Mademoiselle’ und ‚Miss’ sind ja schließlich auch noch da. Aber Sie müssen mich nicht so nennen.

Passen würde es aber – Sie waren nie verheiratet.

Berben: Genau, ich wäre unter altdeutschen Umständen tatsächlich noch ein Fräulein. Ich fand es übrigens auch nie abwertend, in einem Lokal ‚Fräulein’ zu rufen. Aber man darf es nicht mehr machen. Schade.

Nervt es, wenn Leute von „La Berben“ reden?

Berben: Ach du je! Ich sehe mich so nicht. Früher hätte man vielleicht gesagt: Sie ist ein Star. Aber heute sind ja alle möglichen Leute Stars oder Superstars.

Was passt besser? Diva, Löwin oder Starke-Frauen-Darstellerin?

Berben: Wieso muss denn alles immer in eine Kurzform? Klar, solche Etiketten sind bequem. Aber wenn ich mich selbst beschreiben sollte, würde ich eher an einen chinesischen Schrank denken, mit vielen Türchen und Schubladen. Widersprüchlichkeit ist keine Schwäche, sondern eine Stärke.

In „Liebesjahre“ spielen Sie Vera, eine geschiedene Frau, die nach zehn Jahren ihrem Ex-Mann Uli begegnet. Haben Sie aus Prinzip nie geheiratet?

Berben: Ja, ich hatte mal dieses Prinzip. Was das angeht, bin ich eine Achtundsechzigerin. Tatsächlich habe ich aber über 32 Jahre in einem eheähnlichen Zustand gelebt.

Im Film treffen zwei Paare aufeinander. Es kracht an allen Fronten, ähnlich wie im „Gott des Gemetzels“, den Ihr Sohn Oliver gerade fürs Kino produziert hat. Warum gucken wir so gerne Eheleuten beim Nahkampf zu?

Berben: Man erkennt viel von sich selbst. Man fühlt sich ertappt. Wir sagen uns: vielleicht sollten wir mal wieder miteinander reden? In unserem Film ist der Verlust der Liebe ja passiert, weil die beiden irgendwann aufgehört haben, miteinander zu reden.

Gehört offener Streit zu einer guten Beziehung?

Berben: Es ist eine Temperamentsfrage.

Sie sind kein Harmonie-Typ, oder?

Berben: Nein. Ich explodiere. Man verletzt dabei übrigens auch sich selbst.

Im Film waschen Vera und Uli ziemlich viel schmutzige Wäsche. Was regt Sie bei einem Mann am meisten auf?

Berben: Dieses Aussitzen von Problemen. Dieses Nicht-Benennen von Schwierigkeiten.

Und bei Frauen?

Berben: Wenn sie im Streit vergessen, die Bremse zu ziehen, wenn sie sich total verrennen und vom Hundertsten ins Tausendste kommen.

Uli hat eine jüngere Frau. Privat ist das bei Ihnen genau umgekehrt.

Berben: Also, wenn man mit 61 einen 51 Jahre alten Mann hat, heißt das doch gar nichts. Wenn ich 35 wäre und er 21, dann wäre das anders. Aber es gibt irgendwo eine Schallmauer, dahinter sind wir alle einfach erwachsen

Julia Emmrich



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