Ausstellung
Fotos von Leichen und Blut im Bahnhof Bochum
28.07.2010 | 16:35 Uhr 2010-07-28T16:35:00+0200
Bochum.An dieser Ausstellung kommt man nicht vorbei. „World Press Award“ zeigt mitten in der Schalterhalle des Bochumer Bahnhofs starke, aber auch schockierende Fotos. Zu sehen sind Blut, Leichen und schwer verletzte Kinder.
Dem Betrachter stockt der Atem. Diese Bilder sollen bewegen - und erfüllen ihren Zweck, keine Frage. Die Ausstellung „World Press Photo“ zeigt zeitgenössischen Fotojournalismus in beeindruckender Qualität. Faszinierende Porträts junger Menschen und herrliche Landschaftsbilder gehören ebenso dazu, wie schonungslose Momentaufnahmen von Tod und Gewalt.
Leichte Kost ist das nicht. Ein Foto zeigt einen Mann, dessen Kopf so blutverschmiert ist, dass man kaum seine Haut erkennen kann. Das Hemd ist rot, und unter ihm bildet sich eine Pfütze. Er liegt auf dem Boden, schaut verzweifelt in die Kamera. Sicherlich ein starkes Bild – aber auch ein Foto, dass man in einer öffentlich zugänglichen Ausstellung im Bochumer Hauptbahnhof zeigen darf? Gemeinsam mit Nahaufnahmen von Leichen, von Kriegsveteranen, denen 40 Prozent ihres Gehirns weggeschossen wurden?
Die Bahn erklärt auf Anfrage: „Die preisgekrönten Fotos werden in einer Wanderausstellung in mehreren Bahnhöfen der Deutschen Bahn gezeigt. Wir stellen dazu die entsprechenden Flächen zur Verfügung. Für inhaltliche Fragen der Ausstellung ist die zuständige Agentur verantwortlich.“
Tatsächlich warnt ein kleines Schild Personen unter 16 Jahren davor, sich die Bilder anzuschauen. Was allerdings mitten in der Schalterhalle und auf dem Weg zu den Gleisen nur schwer möglich ist. Und tatsächlich stehen einige junge Menschen mit großen Augen vor den schockierenden Fotos. Und auch erwachsene Betrachter dürften die blutigen und drastischen Bilder verstören.
Die Wanderausstellung „World Press Photo“ zeigt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn das Siegerfoto und eine Auswahl der bestplatzierten Arbeiten eines Wettbewerbs internationaler Pressefotografen. Vom 23. Juli bis 2. August wird die Präsentation in Bochum gezeigt. Mehr als 100.000 Bilder haben die fast 6000 teilnehmenden Fotografen eingereicht. Die Ausstellung wird weltweit an rund 100 Orten gezeigt.

20:13
@#26 Ion Bow
Stimme Ihnen voll ganz und zu.
Aber diese schlauen Selbstbeweihräucherer werden uns nie verstehen.
Und diese schlauen Politiker, wenn ein Amoklauf passiert ist, kommen nur zum Schluss, dass es an den „Ballerspielchen“ liegt.
Aber das naheliegendste, dass wir täglich im TV bereits am Nachmittag auf diversen Programmen schon Leichen serviert bekommen, sei es im Vorspann oder in diesen Mord&Totschlag-Serien, da kommt keiner drauf, dass es daran liegen könnte. Wahrscheinlich empfinden es schon viel zu viele als normal. Und für viele ist der Fernseher der Kindersitter. Man braucht sich echt über nichts mehr wundern. Echt übel !
20:03
p.s.
Die Diskussion darum, ob diese Bilder gemacht werden sollten oder nicht, ist hinfällig, da nicht entscheidbar. Beide Seiten sind zu vertreten. Aber nicht zu vertreten ist die Argumentation, dass die Bilder ausgestellt werden dürfen, auch wenn Kinder die zu sehen bekommen, weil es die im Internet ja auch gibt! Wir haben als Erwachsene und Verantwortliche nicht die Aufgabe, dass wir die Kinder mit solchen Bildern aufs Leben vorbereiten, sondern, dass wir sie vor visuellen Eindrücken dieser Art schützen bzw. bewahren! Das bedeutet: Den Blick auf diese Bilder öffentlich uneingeschränkt zugänglich zu machen, ist schon ein Verbrechen und lässt sich mit keiner, noch so absurd hergeleiteten Intention rechtfertigen.
Gruß Ion bow
19:57
Es wurde auch Zeit! In Kiel haben die die bis zum Ende durchgezogen! Wer überhaupt auf so eine Idee kommt, die Steinigung eines Mannes in vier Bildern auszustellen; angefangen von dem verängstigten blick über das Fliegen der Steine bis zum zerstörten Körper - wohl ein zerstörter Geist, der dafür sein OK gegeben hat. Davor haben es aber wohl zahlreiche Kinder gesehen und in ihren Seelen und Träumen traumatisiert verarbeitet. Sorry, aber da fühlt man sich doch an einen weisen deutschen Mann erinnert, Erich Kästner:
Es ist schon wahr: nichts wirkt so rasch wie Gift!
Der Mensch, und sei er noch so minderjährig,
ist, was die Laster dieser Welt betrifft,
früh bei der Hand und unerhört gelehrig.
Im Februar, ich weiß nicht am wievielten,
geschahs auf irgendeines Jungen Drängen,
daß Kinder, die im Hinterhofe spielten,
beschlossen, Naumanns Fritzchen aufzuhängen.
Sie kannten aus der Zeitung die Geschichten,
in denen Mord vorkommt und Polizei.
Und sie beschlossen, Naumann hinzurichten,
weil er, so sagten sie, ein Räuber sein.
Sie steckten seinen Kopf in eine Schlinge.
Karl war der Pastor, lamentierte viel,
und sagte ihm, wenn er zu schrein anfinge,
verdürbe er den anderen das Spiel.
Fritz Naumann äußerte, ihm sei nicht bange.
Die andern waren ernst und führten ihn.
Man warf den Strick über die Teppichstange.
Und dann begann man, Fritzchen hochzuziehn.
Er sträubte sich. Es war zu spät. Er schwebte.
Dann klemmten sie den Strick am Haken ein.
Fritz zuckte, weil er noch ein bißchen lebte.
Ein kleines Mädchen zwickte ihn ins Bein.
Er zappelte ganz stumm, und etwas später
verkehrte sich das Kinderspiel in Mord.
Als das die sieben kleinen Übeltäter
erkannten, liefen sie erschrocken fort.
Noch wußte niemand von dem armen Kinde.
Der Hof lag still. Der Himmel war blutrot.
Der kleine Naumann schaukelte im Winde.
Er merkte nichts davon. Denn er war tot.
Frau Witwe Zwickler, die vorüberschlurfte,
lief auf die Straße und erhob Geschrei,
obwohl sie dort gar nicht schreien durfte.
Und gegen sechs erschien die Polizei.
Die Mutter fiel in Ohnmacht vor dem Knaben.
Und beide wurden rasch ins Haus gebracht.
Karl, den man festnahm, sagte kalt: Wir habn
es nur wie die Erwachsenen gemacht.
Gruß Ion Bow aus Kiel
21:49
Und noch ein PS, weil es mich echt aufregt:
Wenn solche Wahrheits-Bilder überall frei zugänglich sind, braucht sich auch keiner mehr wundern, wieso Jugendliche durchdrehen und immer gewaltbereiter werden.
Abgesehen nun von Internet, wo man reichlich Bilder finden kann, wird man täglich mit Schreckensmeldungen und Bildern zugepflastert in Zeitungen, Radio. Hinzu kommt noch das Fernsehen.
Da schaltet man nachmittags (wo Kinder fernsehen) die Glotze ein, hat sich gerade was zu Essen auf den Teller gepackt und sieht schon wieder einen Vorspann, in dem irgendeiner Gerichtsmediziner in irgendeiner Leiche rumpuhlt. Da könnte ich schon auf den Teller kotzen.
Und das sehen Kinder nachmittags, guckt Euch nur die Vorspanne der diversen Action-Serien an. Das geht doch schon gar nicht ! Die Kinder empfinden das wahrscheinlich als gar nicht mehr schlimm, weil sie es täglich sehen (können). Diese Vorspanne allein gehören doch schon verboten !
Und da wundern sich alle, wenn Jugendliche so gewaltbereit sind????
Packt Euch mal am Kopf Ihr Künstler und Befürworter !!! Sowas hat nichts mit Kunst zu tun, weder subjektiv noch objektiv !
21:06
Warum wird einem so etwas immer und wieder und überall aufgezwängt unter dem Deckmantel Kunst & Kultur ??? Ich kann es echt nicht mehr hören, sehen usw., diese ganzen Selbstdarsteller. Da ist es in Ordnung, wenn Künstler solche Fotos machen.
Aber wenn solche Fotos irgendwo in der Presse zu sehen sind, wird gemeckert.
Merkt eigentlich mal einer noch irgendwas, wie krank das ist?
Schön weiter mit zweierlei Maß messen!
Mir haben die Bilder vom Wochenende gereicht!
20:59
Warum kann man nicht selbst entscheiden, ob man so etwas sehen will?
Sowas gehört nicht in die Öffentlichkeit und schon gar nicht zum jetzigen Zeitpunkt!
Zitat: Wanderausstellung in mehreren Bahnhöfen
Am Besten noch in Duisburg, die ticken doch alle nicht mehr richtig oder?
Klar ist das Leben nicht rosarot und man sollte die Augen vor Wahrheiten nicht verschließen.
Aber so etwas wieder unter dem Deckmantel der Kunst/Kultur darzubieten, ist einfach nur geschmacklos! Und das nicht nur zum jetzigen Zeitpunkt! Manche scheinen echt keine Grenzen zu kennen und Anstand & Taktgefühl gegenüber Verstorben Fehlanzeige. Gott ist diese Welt arm !
17:33
ora72 Statt allgemeiner Betroffenheit könnte man nämlich auch einfach aktiv werden
Ja sicher.......dann mal los !!!
haben Sie die Bilder gesehen ?
Das Bild wo jemand nur noch ca. 70 Prozent von seinem Kopf hat ?
Es steht ausser Frage, das die Fotos die absolute Wahrheit zeigen. Vielleicht würde hier auch keiner was sagen, wenn nicht am Wochenende so schlimmes in unserer Region passiert wäre.
Und auch wenn wir jeden Tag heftige Bilder in den Nachrichten sehen, so meine ich doch das die Bilder aus Duisburg eine absolute unvorstellbare sinnlose Steigerung des Grauens waren ( und sind ).
Es würde mich nicht wundern, wenn nächstes Jahr einige Bilder der Parade als Worldpress-Foto Auszeichnungen erhalten.
Momentan verstört mich aber so eine Ausstellung im öffentlichen Raum und ich habe auch kein kulturelles Verständnis dafür.
11:43
Davon, dass die Bilder abgehängt werden, wird kein Opfer wieder lebendig. Weder aus Duisburg noch aus den Regionen, in denen die Bilder entstanden sind.
Ich bin allerdings auch der Ansicht, dass die Ausstellung in einem Museum besser aufgehoben wäre.
Es gibt genug gestörte Menschen, die sich aufgrund dieser Bilder mal wieder am Elend anderer Menschen weiden können.
Jeder von uns weiss um die Schreckenstaten in diesen Regionen - aber ich muss das ehrlich gesagt auch nicht unbedingt so vorgeführt bekommen.
09:58
Das Leben ist nun mal nicht nur rosarot. Eine solche aufrüttelnde Ausstellung im öffentlichen Raum ist genau der richtige Weg um etwas zu bewegen und bietet Anlass zum Nachdenken und Handeln. Statt allgemeiner Betroffenheit könnte man nämlich auch einfach aktiv werden und somit im kleinen Mitwirken . Auch kann man mit Kindern ab einem gewissen Alter gut über Krieg und Elend sprechen um Empathie zu wecken. Übrigens zeigt auch die Tagesschau blutige Bilder und was den lieben Kleinen im Internet an blutigen Bildern geboten wird, dagegen ist diese Ausstellung noch harmlos...
09:21
Aber der Bild-Zeitung für das Zeigen und Drucken solcher Bilder im Zusammenhang mit der Loveparade den Presserat mit einer Rüge ins Haus schicken wollen... Was natürlich richtig ist - aber hier wird mit zweierlei Maß gemessen.