Flüchtlingsträume

Die große Kunst der kleinen Form, in Übersee wird sie liebevoller gepflegt als hierzulande. Mit Molly Antopols Debüt „Die Unamerikanischen“ ist nun ein neuer Short-Story-Stern aufgegangen.

Da ist der New Yorker Schneider mit ukrainischen Wurzeln, der einer neuen Liebe nach Kiew folgt – und erleben muss, dass sich diese Liebe in der alten Heimat in nichts auflöst. Da ist ein Brüderpaar in Israel, der Ältere verliert bei einem Traktorunfall ein Bein und der Jüngere, zum Helden geworden, darf nun mit dessen Freundin in die USA reisen. Oder die Großmutter aus Weißrussland, die ihrer Enkelin ihr früheres, mädchenhaftes Gesicht zeigt – ein Monster aus dem Wald.

Antopols melancholisch grundierte Geschichten steigen auf aus den Tiefen der Vergangenheit und erinnern daran: dass der amerikanische Traum vor allem von Flüchtlingen geträumt wird.

Molly Antopol: Die Unamerikanischen. Hanser Berlin, 320 S., 19,90 €

Starkes Debüt