Flüchtige Begegnung mit drei Großen

Recklinghausen..  Das Ereignis hatte nicht von ungefähr Spielfilmlänge: Mit Jane Birkin (68) und Michel Piccoli (89) traten im Ruhrfestspielhaus gleich zwei lebende Leinwandlegenden zu einem Rezitationsabend an. Hinter dem Erlebnis, zwei Ausnahmeschauspieler auf der Bühne, wenn auch nur an Lese-Tischen zu erleben, trat der Kunstwert des Abends klar zurück. Selbst ein produktiver Song- und Gedichtschreiber wie Birkins einstiger Lebensabschnitts- und Gesangsgefährte Serge Gainsbourg (1928-91) hat nicht so viele haltbare Verse geschrieben, dass es für einen Rezitationsabend ohne kurzes Schwächeln reichte.

Ein Genuss allemal die klanglichen Qualitäten von Gainsbourgs Gedichten, da nimmt man auch motivische Beschränkungen auf Erotik und Liebe hin. Die zeitweise sinnfreien deutschen Obertitel schienen von einer legasthenischen Übersetzungsmaschine erstellt, aber selbst das konnte dem Charme des gesprochenen Worts nichts anhaben. – Ovationen für eine flüchtige Wiederbelebung von Serge dem Großen.