Flatternder Tanz als Ausdruck der Angst

Duisburg..  Sie flattern – ihre Arme und Hände. Plötzlich schnellen die Gliedmaßen hoch. Blitzartig bleibt ein Paar stehen, beide recken die Köpfe, wie aufgescheuchtes Federvieh. Von Angst getrieben und einsam sind die Wesen, die Marco Goecke in seinen Balletten über die Bühne scheucht. „Lonesome George“ nennt der gebürtige Wuppertaler und Haus-Choreograf des Stuttgarter Balletts sein Stück, das jetzt im Duisburger Opernhaus uraufgeführt wurde. Unter großem Jubel (auch für Duisburgs Philharmoniker unter Wen-Pin Chien), im Rahmen des neuen Dreiteilers b.24.

Es dauert gerade mal 20 Minuten und fordert mit seinen irrwitzig schnellen Bewegungen von den athletisch getrimmten Tänzern Kondition und technische Präzision. Keuchen, Schniefen und Schnauben hört man zwischendurch von den exzellenten Schläpfer-Solisten. „Die Angst ist mein Motor“, erklärt der 43-Jährige, der 2000, als Tänzer im Hagener Ballett, seine erste Choreografie zeigte und mit fiebrigem Flattern eine Technik schuf, die heute als „Goecke-Stil“ bewundert wird. Von Panik und Angst erzählen auch die gebeugten Körper, die bei Schostakowitschs C-Moll-Streichquartett nicht zur Ruhe kommen.

Mit Goeckes Klasse unvergleichbar sind die anderen Stücke. Doch bietet Young-Soon Hue mit „Illusionen“ eine mehr als nur sensible Hommage an Yuko Kato – die reife Tänzerin aus Japan, die seit vielen Jahren Martin Schläpfer als Inspirationsquelle dient. Zur fließenden, perkussiven Minimalmusik von Philip Glass entwickeln die Tänzer Lebensbilder.

Zum Schluss nimmt Amanda Miller in „Voices Borrowed“ klassischen Tanz auf die Schippe. Zu Schönbergs wild springendem Konzert für Quartett und Streichorchester üben sich Ballerinen in farbigen Tutus und Männer in Bermudashorts in akademischen Schritten, Pirouetten und Posen. Eine recht harmlose Petitesse, die zum Schmunzeln anregt, zu mehr aber nicht.